Mit Gerhard um die Welt Seite 1 von 2

An alle interessierten Freunde,

nun bin ich ziemlich genau ein Jahr unterwegs. Mir geht es immer noch gut, mein Speicher für Erlebnisse und Abenteuer hat noch leere Zellen. Was ich besonders schätze ist, ohne Terminkalender zu leben und jederzeit spontane Entscheidungen treffen zu können. Noch zieht es mich nicht nach D zurück. Die vielen Begegnungen in allen bereisten Ländern haben mir Alternativen im Sinne von Toleranz und Hilfsbereitschaft aufgezeigt. Unterschätzt habe ich den täglichen Aufwand an vielschichtiger Organisation. Das ist der tägliche Nahrungsmitteleinkauf, die lfd. vorbeugende Wartung für das Auto samt Aufbau, die Festlegung der Streckenführung, die Verwaltung der digitalen Fotos (derzeit ca. 5.000) sowie Aufenthalte in Internet Cafes, die Vereinbarung und Abstimmung der Versicherungspolicen, die Beschaffung von Containerkapazitäten und Tickets zur Überwindung von Seestrecken (derzeit nach Australien). Überschätzt habe ich den Bedarf an Kleidung. Zwei Hosen, zwei Hemden und drei Unterhosen reichen. Gewaschen wird in Laundries, die überall zugegen sind.

Der Einsatz an finanziellen Mitteln, unter Berücksichtigung aller Kostenarten, liegt Stand heute unter dem üblichen Aufwand in D. Hier haben natürlich die günstigen Preise in Südamerika und die fast ausschließlichen Übernachtungen im Aufbau einen Anteil. Die Kosten in Kanada liegen etwa 30% unter D Niveau. In USA sind die Preise vergleichbar. Die Verschiffung des Toyotas nach Australien wird zu Buche schlagen.

Bildergallerie: Impressionen von Gerhards ReiseIch werde immer wieder nach kritischen Situationen gefragt. Natürlich hat es die gegeben und wird es noch weitere geben. Das gehört zu so einer Reise. Unterm Strich haben die positiven Erlebnisse ganz klar den Löwenanteil.

Das Jahr ist schnell vergangen, und jeden Tag habe ich hinzugelernt. So auch im Umgang mit Dokumenten. Mit Hilfe von Adobe Photoshop kann ich jetzt die Bilder mit vertretbarem Speicherauf-wand und Sicherung von Mindestqualität im Text integrieren. Wer dennoch an einer höheren Auflösung interessiert ist, bekommt auf Anfrage selbstverständlich die entsprechenden höherwertigen Kopien.

 

Aber jetzt zurück in den hohen Norden. Das Yukonterritorie sowie Alaska wurden in diesem Sommer von ca. 180 registrierten Waldbränden heimgesucht. Der Rauch war ätzend, die Sicht über Tage auf 300 m begrenzt, die Strassen nur im Konvoi befahrbar. Die riesigen unbewohnten Gebiete können nicht geschützt werden. Die Natur regelt sich selbst. Dennoch, die vielen Lichtblicke waren berauschend.

Das Motto Alaskas ’go north go future’ hat durchaus seine Bedeutung. Das war Gold und Kupfer und steht heute für Fisch, Öl, bewahren von Werten und viel Phantasie für die Zukunft.

Reiseroute

zur Bildergallerie: Reiseroute Yukon, Alaska und British ColumbiaDer Yukon wird bei Dawson City mittels Fähre passiert. Der anschließende ’Top of the World Highway’ führt über den nördlichsten Grenzübergang, Poker Creek, nach Tok. In Fairbanks über Coldfoot zum nördlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt Prudhoe Bay (Ölfelder), weit über den Polarkreis, N 69 Grad 33 W 148 Grad 36. Die Schwerpunkte im Süden waren McCarthy (Kennecott Mine), Valdez (Ende Pipeline) und Cordova (Kupferbahn). Wieder auf dem Alaska HW nach Haines Junction und in den Süden nach Skagway (Beginn Chilkoot Trail nach Dawson City). Nach Whitehorse zum Ölwechsel und in den Süden nach Vancouver.

Alaska, Land der Gletscher und Flüsse, hat ca. 625.000 Einwohner, davon 125.000 Natives, entspricht 4 mal der Fläche von D und ist kaum erschlossen. Das Land wurde 1942, initiiert durch den zweiten Weltkrieg, an das Straßennetz Kanadas angeschlossen. In nur acht Monaten wurde die Pioniertrasse von ca. 20.000 Soldaten realisiert. Heute besteht das Straßennetz aus einem kleinen Dreieck mit angeschlossenen, unbefestigten Sackgassen (nach Prudhoe Bay und McCarthy). Der große Rest gehört den Buschfliegern mit ihren kleinen Flugzeugen; oder, in Alaska sieht man mehr Flugzeuge als Vögel am Himmel.

Die Oberflächenform ist am besten mit einer riesigen Halfpipe zu vergleichen. In der Mitte fließt der Yukon aus Kanada kommend in die Beringsee. Im Norden erbebt sich die kalte Brooks Range bis auf 3.000 m. Im Süden baut sich die Alaska Range mit dem McKinley (6000m )auf.

Gold

Dawson City am Klondike ist heute noch der Inbegriff für den Goldrush um 1890. Ich fühle mich 100 Jahre zurück versetzt. Die Häuser sind im alten Stil liebevoll restauriert, die Straßen sind staubig, der Boardwalk für die Fußgänger, und am Bonanza Creek wird immer noch Gold gewaschen. Ich durfte mich auch versuchen und habe etwas Goldstaub gefunden. Hier haben 1898 mehr als 20.000 Menschen gelebt, heute ca. 500. Eine Straßenanbindung gibt es erst seit 1950. Damals haben in einem Winter 30.000 sogenannte ’Stampeders’ mit den vorgeschriebenen 1000 kg Aus-rüstung 60 km zu Fuß über den berüchtigten Chilkoot Trail das Material getragen, und dann ging’s ca. 600 km in selbstgebauten Booten und Flössen den Yukon nach Dawson City weiter. Die meisten kamen zu spät, die Claims waren abgesteckt. Enttäuscht und verzweifelt sind sie am Yukon entlang bis zu den Goldfeldern in Nome an der Beringsee weitergezogen. Zur Versorgung wurde u.a. Fairbanks gegründet. Auf einer breiten Trasse, beiderseits des Flusses, finden sich eiserne Zeugen aus der Zeit der Dampfmaschinentechnologie.

zur Bildergallerie: Goldwaschanlage von Larry Weisz in Coldfoot Diese tonnenschweren Ungetüme wurden im Winter von Pferdeschlitten über mehr als tausend km transportiert, auch nach Coldfoot nördlich des Polarkreises.

Die kanadische Firma Silverado hat hier die Goldsuche wieder aufgenommen. Die notwendigen Investitionen in Bagger, Radlader, Schüttelgerät, Pumpen, Lastwägen usw. wurden fremdfinanziert. Zu diesem Zweck hat die Firma Silverado Aktien am Markt mit entsprechenden Erfolgsaussichten platziert. Die Aktion wurden insbesondere über Internet (Internetmining) an den Mann gebracht. Wie schon in vielen anderen Fällen wurden wegen Missmanagement die versprochenen Gewinne nicht erwirtschaftet. Die Belegschaft wurde in 2004 von 35 auf 5 Mann reduziert. Und die Aktien können damit in den Wind geschossen werden.

Letztlich wurde Alaska und die angrenzenden Gebiete wegen des Goldvorkommens um die Jahrhundertwende von Weißen erschlossen.

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09. Reisebericht - Alaska und ein bisschen mehr
Datum:   01.10.2004
Autor:   Gerhard
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