Afrika Seite 1 von 2

Unser Tochter hatte den (nicht ganz) ernstgemeinten Wunsch, ihren nächsten Geburtstag mit Roter Grütze und Sahne in der Sahara feiern zu wollen. - Da wir in der großen Gemeinschaft der OffRoad-Fahrer sind, haben wir kurzerhand alle Freunde ihrem Geburtstag in die Sahara eingeladen. Und der harte Freundeskreis hatte nichts besseres zu tun, als diese Einladung ernsthaft entgegen zu nehmen. Nun waren es 22 Personen in 11 Geländewagen, die sich auf den Weg nach Genua zur Fähre machten.

Die Anreise:

Einige fuhren schon Donnerstag, einige am Freitagmorgen und wir konnten erst starten, nachdem unsere kleine Tochter aus der Schule kam. Per Vollgas, das bedeutet bei einem vollbepackten LandRover ca. 115 Km/h fuhren wir über Bregenz, vorbei an der Schlucht Via Mala, durch den St. Bernadino Tunnel und waren um 0:30 in Italien. Am Morgen hatten wir Besuch bekommen. 2 weitere OffRoader standen neben uns am Parkplatz und genossen den blutroten Morgen. Ein Anruf per Handy sagte uns, dass unsere große Tochter mit 2 weiteren OffRoadern am Lago Maggiore frühstückte. Bis zum Lago Maggiore waren es auf unserer Landkarte nur 7 cm und kurz darauf waren auch wir dort. Mit 6 Autos ging es gemeinsam weiter Richtung Süden. Beim Tankstop trafen wir dann auch noch die restliche Truppe. Im Konvoi erreichten wir pünktlich Genua.

Die Hafeneinfahrt von Genua zu finden ist – insbesondere unter Berücksichtigung von 9 Fahrzeugen doch etwas problematisch. So haben wir uns dann auch prompt verfahren, sind mehrere Kilometer in die falsche Richtung gefahren, haben verkehrswidrig gewendet und uns durch die Armada von Motorrollerfahrern gebahnt.

Wir starteten in Italien auf einem französischen Schiff mit tunesischer Besatzung. Was das bedeutete, merkten wir am Chaos bei der Einschiffung. 24 Stunden am Deck. Davon haben wir 4 ½ Stunden in verschiedenen Warteschlangen gestanden, um alle überbürokratisierten Stempel zu bekommen.

Zwei von uns haben diese Strapaze einfach ignoriert. Bei der Ausschiffung nach dem Stempel gefragt hat Einer einfach gesagt „hab ich nicht“ und wurde nach heftigem Wortwechsel (verstand eh keiner den anderen) durchgelassen. Der Zweite hatte sich einen Scout genommen der ihm versprochen hat, dass er ihn gegen Bezahlung von 50,-- DM durch den Zoll schleust. So war es denn auch.

Warteschlange der Geländewagen im Hafen von GenuaDie Einfahrt auf das Schiff muss man sich so vorstellen. Erst stehen alle Autos in 4er Reihen gut geordnet hinter- und nebeneinander. Dann geht es ins Nadelöhr des Schiffbugs. Mitunter waren es Millimeter, die Stoßstange von Kotflügel trennte.

Die Ursache ist schnell erklärt. Erst müssen natürlich die LKW`s ins Unterdeck. Dann wird runter gelassen, und die PKW müssen ins schmale Zwischendeck. Dann wieder die Autos mit Dachaufbauten über 2,20 cm.... und so weiter. Da aber jeder schnell auf das Schiff will (weiß der Kuckuck warum) gibt es das beschriebene Chaos. Wir standen, fertig eingeparkt und mit Tüten, Decken und Trinkbarem auf dem Oberdeck, als wir in dem Durcheinander den Landrover von Jürgen entdeckte. Er hat es geschafft – obwohl er auf dem Parkplatz direkt neben uns stand- als letztes, ja allerletztes Fahrzeug ins Schiff zu kommen. Unser Jürgen!

Die Tour:

Nun standen wir mit allen 4 Räder in Afrika. 22 Personen, die 21 Tage lange auf engstem Raum zusammen und aufeinander angewiesen waren, denn wir hatten zwar eine Route besprochen, aber keinen Gruppenführer und keinen Guide bestimmt. Ein risikoreicher Versuch, der uns viele Diskussionen beschert t, aber nicht zum Streit geführt hat. Wir sind nach wie vor Freunde – und das ist nicht selbstverständlich.

Erste Übernachtung in Afrika: Das Hotel Le SultanUnser erstes Ziel war Hammamet. Dort im Hotel Sultan wollten wir noch einmal duschen, uns den Bauch voll schlagen und die erste Wasserpfeife rauchen.

Der schnellste Weg ist unser. Er geht über die Autobahn. Für die Autobahnbenutzung zahlt man Gebühren. Tunesische Dinar hatten wir nicht. Es ist toll, wenn 11 Autos an der Zahlstation stehen und nicht zahlen können. Stefan hatte nichts gesagt. Er ist ein stiller, aber cleverer Mensch. Er hatte sich Devisen besorgt und wissentlich, dass dies verboten ist, eingeführt. Nun gestand er uns, dass er der Retter sein könnte - und so stellte er sich ans Kassenhäuschen und hat für jeden einzelnen von uns bezahlt. Toll.

Ich hatte bereits bei der Buchung des Hotels einen Dromedar Ausritt geordert. Zur Erklärung: Ein Kamel ist weiblich und hat 2 Höcker – wie der weibliche Busen halt. In Afrika gibt es aber nur Dromedare.

Orient Feeling: Das National Gericht Cous Cous und anschließend eine Wasserpfeife22 Tiere konnte das Hotel aber nun beim besten Willen nicht auftreiben. So haben sie uns dann noch ein paar ausgemergelte Pferde und 2 Kutschen besorgt. Eine illustre Gesellschaft, die da unterwegs war. Über die Verdauungsprobleme der Dromedare und ihren überaus ekeligen Maulgeruch reden wir heute noch. Es war das erste Erlebnis der etwas anderen Art bei dieser Tour. Das Buffet im Hotel war hervorragend. Tunesisch-französische Küche. Mit vollem Bauch schleppten wir uns in die Bar, tranken einen Tee a la Menthe und rauschten eine Schischar. Orient Feeling kam auf.

Die erste Camp Übernachtung in Tozeur unter Palmen Nun ging es Richtung Süden. Wir erreichten Tousseur und haben auf einem kleinen Campingplatz unter Palmen Quartier gemacht. Bedenkt man, dass es Anfang April ist und in Deutschland Schmuddelwetter ist, so wissen wir, wie gut es uns hier doch geht.

Oben auf dem Landy ist es sicher und romantischUnser nächstes Ziel war die Seldja Schlucht, in der Teile des Films zum „Der Englische Patient“ gedreht wurde. Es gibt in Tunesien viele Orte, die als Filmkulisse dienen. Mit einem historischen Zug durchfuhren wir durch diese sehenswerte Schlucht. 2 mal stoppte der Zug zur Pause. Und dann waren Boris und Ingo plötzlich verschwunden. Einfach nicht auffindbar. Wir machten uns echte Sorgen. Doch dann hörten wir ihr unverkennbares Lachen. Sie hatten sich beim Lokführer eingeschleimt und fuhren vorn in der Lokomotive. Ihr größtes Erlebnis: Sie durften zig Mal die Signalsirene ziehen.

Im weiten Bogen erreichten wir nahe der algerischen Grenze das Städtchen Tamerza, besichtigten den Wasserfall und wanderten dann noch durch das unendliche Labyrinth von Schluchten. Am Abend kehrten wir zu unserem Campingplatz unter Palmen zurück. Zu Fuß eroberten wir am Abend die Altstadt und kauften ein. Was dem einen Freude macht, führt bei dem nächsten zum Verdruss.

Ich meine das Verhandeln und feilschen um den Preis. Herrgott, ich will diesen Schal kaufen. Einfach nur kaufen. Aber nein, der Verkäufer fängt die Verhandlung an. Letztlich haben wir uns nach 20 Minuten auf den Mittelwert zwischen seinem und meinem Preisvorschlag verständigt. Warum nicht sofort. Gabi gehörte zu der Gruppe der Verhandlungs-Freund-Genießer. Wir Männer waren mit dem Einkaufsbummel durch und saßen gemütlich im Straßencafe während sich Gabi dem Einkaufsrausch ergab. Zugegeben, sie hat alles recht günstig erstanden, aber es dauerte leider auch seine Zeit.

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Geburtstag in der Sahara
Datum:   15.03.2006
Autor:   Claus
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