Mit Gerhard um die Welt Seite 1 von 3

An alle interessierten Freunde,

Nach mehr als 30.000 Kilometer auf schlechten Feldwegen und achtspurigen Highways, 19 Grenzübergängen, sieben Monaten Fahrzeit (incl. zwei Reifenpannen) und 150.000 Höhenmetern habe ich den nördlichsten Punkt Inuvik im Northwest Territorie von Kanada am 07.07.04. erreicht.

Nach 2 Wochen Panama habe ich etwas Gas gegeben, die Straßenbedingungen wurden immer besser. Warum, weil das schneelose Wetterfenster in Nordkanada jenseits des Polarkreises nur 6 Wochen lang ist. Natürlich habe ich wieder viel erlebt und zu einigen historischen Themen konnte ich die Enden zueinander bringen.

Die Reiseroute war zunächst mangels Alternativen einfach. Durch die Länder von Zentralamerika nach Mexiko, weiter nach USA und Kanada.

Einige besonders starke Eindrücke:

Bei den Kunas auf den San Blas Archipel an der im Südostküste von Panama.

Dieser Gruppe gehören ca. 25.000 kleinwüchsige Menschen an, verteilt auf mehr als 100 Inseln. In einer Art Selbstverwaltung genießen sie hohe Eigenständigkeit. Die Kunas konnten somit ihre Kultur bewahren, d.h.

Der Boden gehört grundsätzlich den Frauen, was auf ein Matriachat schließen lässt. Eine klare Religionszugehörigkeit war nicht auszumachen

Ein Karzike steht an der Spitze, pro Organisationseinheit (Insel) haben drei Köpfe zu entscheiden. Der Einbaum ist immer noch das Hauptverkehrsmittel, ein Außenborder ist das Maximum an techn. Hilfsmitteln. Ausgewählte Söhne gehen zur Schule, Mädchen grundsätzlich nicht. Sie sind im Vergleich mit der breiten Bevölkerung Panamas in ihr eigenes soziales Netz eingebunden. Das ganze ist in etwa eine Mischung aus nicht wahr, Südsee, Gauguin und Menoniten in der Karibik.

Auf dem Boot nach Coco BlancoDie Inseln werden irgendwie mit Booten erreicht und versorgt, Fahrpläne gibt es nicht. Ich hatte das Glück von einem 6 m langen Holzboot, beladen mit 40.000 halbreifen Bananen mitgenommen zu werden, 3 Std. über das offene Meer natürlich ohne jegliche Sicherheitseinrichtung (Bild 3). Ziel war die kleine Insel Coco Blanco, einer Empfehlung von Franzosen in Panama.
 
Coco BlancoDie Insel ist ca. 2.000 qm groß, 25 Menschen leben seit 60 Jahren hier. Das Wasser ist glasklar, der Strand besteht aus weißem, feinkörnigen Muschelsand (Bild 4).
Umgeben ist die Insel von einem Atoll, an dem sich das Wasser weißschäumend bricht. Das Wasser ist an dem Korallenriff, je nach Lichteinfall, türkis in den verschiedensten Abstimmungen. Die einzige Vegetation besteht aus malerisch gewachsenen Kokospalmen. Die Frauen tragen bunte Wickelröcke, haben einen goldenen Knopf in der Nase, die Waden und Unterarme sind mit kunstvollen Glasperlenschnüren umwickelt. Die Verpflegung besteht hauptsächlich aus dem täglichen Fischfang: Langusten, Red Snaper, Lobster, Krabben und Warane. Serviert wird auf Blechgeschirr mit Löffeln. Zerteilt werden die Krustentiere mit einem verrosteten Hammer, wenn das nicht reicht, beißt der Häuptling den Panzer mit den Zähnen auf. Nach drei Tagen gehen die Essensvorräte zur Neige, das Versorgungsboot wird dringend erwartet. Ich fühle mich beliebig hilflos und abhängig. Nach drei Tagen falle ich aus der Hängematte, erwache aus dem Traum und fahre mit einem winzigen Versorgungsboot für 25 $ zwischen fünf m hohen Wellen wieder zurück zum Festland.

Zentralamerika ist wie eine Wurst, hinten und vorne zugebunden

Zwischen Kolumbien und Panama gibt es keine Straßenverbindung, der Schiffsverkehr ist auf kleine Schmugglerboote reduziert. Am anderen Ende von Guatemala nach Mexiko gibt es zwar einen Grenzübergang, aber keine Menschen die ihn benutzen. Einige Eindrücke:

  • Ein kurzer Blick auf die Landkarte zeigt, die Atlantikküste ist nahezu unerschlossen. Als einzige ausgebaute Straße zieht sich die Panamerikana durch alle Länder.
  • In Waschküchenähnlichen Büros werden die Daten für den Grenzübergang auf uralten Schreimaschinen auf Formulare mit 5 Durchschlägen zu stattlichen Preisen erfasst. Ohne Unterstützung Dritter, ebenfalls gegen Bezahlung, sind die verschlungenen Pfade der Grenzübergänge nicht zu machen. Der Zeitaufwand bei sachkundiger Anleitung betrug max. 2 Stunden. Ohne Anleitung kann es unendlich bis zur Verzweiflung dauern.
  • Ausländer werden grundsätzlich als Melkkuh betrachtet.
  • Panama war im 16 Jahrhundert die strategische Plattform der Spanier und ist heute durch den Kanal die Drehscheibe der int. Schifffahrt. Die Nachfahren der ehemaligen Sklaven tragen immer noch die gleichen Merkmale: mindestens 1,90 m groß, große Bizeps, Hände wie Klodeckel und gut drauf.
  • Costa Rica ist der 55zigste Staat der USA, dort laufen die Hamburger noch auf den Weiden herum. Viele Europäer und Nordamerikaner haben sich niedergelassen.
  • Holz ist die primäre EnergiequelleNicaragua ist das Rumänien Amerikas: Sozialistisch, deutsche Einwanderer, bettelarm, Zigeuner, kath. Kirche. Die Pferde- und Ochsengespanne geben die Geschwindigkeit auf den Straße vor.
  • Guatemala verfügt über eine reiche Geschichte. Im Süden spanische Gründungen aus dem 16 Jahrhundert, im Norden, tief im Dschungel, eine Reihe von gut erhaltenen Palästen und Pyramiden der Mayas. Vielerorts ist das täglich gesammelte Holz immer noch die Primärenergie (Bild 2). Landwirtschaft ist nach wie vor reine Handarbeit. Das Beste an der Entwicklungshilfe ist das hohe Reisebudget für die Mitarbeiter. Im Fall von Guatemala bleiben vom ‘Food for the World Budget’ 8 % für die Bevölkerung.
  • Zu Honduras und San Salvador fällt mir nichts ein.

Nächste Seite: Mexico - Tonina in Chiapas, eine aufregende Ruinenstadt der Mayas

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07. Reisebericht - Von Porto Bello, Panama nach Inuvik, Kanada
Datum:   18.07.2004
Autor:   Gerhard
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