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07. Reisebericht - Von Porto Bello, Panama nach Inuvik, Kanada
18.07.2004 - 18:59

An alle interessierten Freunde,

Nach mehr als 30.000 Kilometer auf schlechten Feldwegen und achtspurigen Highways, 19 Grenzübergängen, sieben Monaten Fahrzeit (incl. zwei Reifenpannen) und 150.000 Höhenmetern habe ich den nördlichsten Punkt Inuvik im Northwest Territorie von Kanada am 07.07.04. erreicht.

Nach 2 Wochen Panama habe ich etwas Gas gegeben, die Straßenbedingungen wurden immer besser. Warum, weil das schneelose Wetterfenster in Nordkanada jenseits des Polarkreises nur 6 Wochen lang ist. Natürlich habe ich wieder viel erlebt und zu einigen historischen Themen konnte ich die Enden zueinander bringen.

Die Reiseroute war zunächst mangels Alternativen einfach. Durch die Länder von Zentralamerika nach Mexiko, weiter nach USA und Kanada.

Einige besonders starke Eindrücke:

Bei den Kunas auf den San Blas Archipel an der im Südostküste von Panama.

Dieser Gruppe gehören ca. 25.000 kleinwüchsige Menschen an, verteilt auf mehr als 100 Inseln. In einer Art Selbstverwaltung genießen sie hohe Eigenständigkeit. Die Kunas konnten somit ihre Kultur bewahren, d.h.

Der Boden gehört grundsätzlich den Frauen, was auf ein Matriachat schließen lässt. Eine klare Religionszugehörigkeit war nicht auszumachen

Ein Karzike steht an der Spitze, pro Organisationseinheit (Insel) haben drei Köpfe zu entscheiden. Der Einbaum ist immer noch das Hauptverkehrsmittel, ein Außenborder ist das Maximum an techn. Hilfsmitteln. Ausgewählte Söhne gehen zur Schule, Mädchen grundsätzlich nicht. Sie sind im Vergleich mit der breiten Bevölkerung Panamas in ihr eigenes soziales Netz eingebunden. Das ganze ist in etwa eine Mischung aus nicht wahr, Südsee, Gauguin und Menoniten in der Karibik.

Auf dem Boot nach Coco BlancoDie Inseln werden irgendwie mit Booten erreicht und versorgt, Fahrpläne gibt es nicht. Ich hatte das Glück von einem 6 m langen Holzboot, beladen mit 40.000 halbreifen Bananen mitgenommen zu werden, 3 Std. über das offene Meer natürlich ohne jegliche Sicherheitseinrichtung (Bild 3). Ziel war die kleine Insel Coco Blanco, einer Empfehlung von Franzosen in Panama.
 
Coco BlancoDie Insel ist ca. 2.000 qm groß, 25 Menschen leben seit 60 Jahren hier. Das Wasser ist glasklar, der Strand besteht aus weißem, feinkörnigen Muschelsand (Bild 4).
Umgeben ist die Insel von einem Atoll, an dem sich das Wasser weißschäumend bricht. Das Wasser ist an dem Korallenriff, je nach Lichteinfall, türkis in den verschiedensten Abstimmungen. Die einzige Vegetation besteht aus malerisch gewachsenen Kokospalmen. Die Frauen tragen bunte Wickelröcke, haben einen goldenen Knopf in der Nase, die Waden und Unterarme sind mit kunstvollen Glasperlenschnüren umwickelt. Die Verpflegung besteht hauptsächlich aus dem täglichen Fischfang: Langusten, Red Snaper, Lobster, Krabben und Warane. Serviert wird auf Blechgeschirr mit Löffeln. Zerteilt werden die Krustentiere mit einem verrosteten Hammer, wenn das nicht reicht, beißt der Häuptling den Panzer mit den Zähnen auf. Nach drei Tagen gehen die Essensvorräte zur Neige, das Versorgungsboot wird dringend erwartet. Ich fühle mich beliebig hilflos und abhängig. Nach drei Tagen falle ich aus der Hängematte, erwache aus dem Traum und fahre mit einem winzigen Versorgungsboot für 25 $ zwischen fünf m hohen Wellen wieder zurück zum Festland.

Zentralamerika ist wie eine Wurst, hinten und vorne zugebunden

Zwischen Kolumbien und Panama gibt es keine Straßenverbindung, der Schiffsverkehr ist auf kleine Schmugglerboote reduziert. Am anderen Ende von Guatemala nach Mexiko gibt es zwar einen Grenzübergang, aber keine Menschen die ihn benutzen. Einige Eindrücke:

  • Ein kurzer Blick auf die Landkarte zeigt, die Atlantikküste ist nahezu unerschlossen. Als einzige ausgebaute Straße zieht sich die Panamerikana durch alle Länder.
  • In Waschküchenähnlichen Büros werden die Daten für den Grenzübergang auf uralten Schreimaschinen auf Formulare mit 5 Durchschlägen zu stattlichen Preisen erfasst. Ohne Unterstützung Dritter, ebenfalls gegen Bezahlung, sind die verschlungenen Pfade der Grenzübergänge nicht zu machen. Der Zeitaufwand bei sachkundiger Anleitung betrug max. 2 Stunden. Ohne Anleitung kann es unendlich bis zur Verzweiflung dauern.
  • Ausländer werden grundsätzlich als Melkkuh betrachtet.
  • Panama war im 16 Jahrhundert die strategische Plattform der Spanier und ist heute durch den Kanal die Drehscheibe der int. Schifffahrt. Die Nachfahren der ehemaligen Sklaven tragen immer noch die gleichen Merkmale: mindestens 1,90 m groß, große Bizeps, Hände wie Klodeckel und gut drauf.
  • Costa Rica ist der 55zigste Staat der USA, dort laufen die Hamburger noch auf den Weiden herum. Viele Europäer und Nordamerikaner haben sich niedergelassen.
  • Holz ist die primäre EnergiequelleNicaragua ist das Rumänien Amerikas: Sozialistisch, deutsche Einwanderer, bettelarm, Zigeuner, kath. Kirche. Die Pferde- und Ochsengespanne geben die Geschwindigkeit auf den Straße vor.
  • Guatemala verfügt über eine reiche Geschichte. Im Süden spanische Gründungen aus dem 16 Jahrhundert, im Norden, tief im Dschungel, eine Reihe von gut erhaltenen Palästen und Pyramiden der Mayas. Vielerorts ist das täglich gesammelte Holz immer noch die Primärenergie (Bild 2). Landwirtschaft ist nach wie vor reine Handarbeit. Das Beste an der Entwicklungshilfe ist das hohe Reisebudget für die Mitarbeiter. Im Fall von Guatemala bleiben vom ‘Food for the World Budget’ 8 % für die Bevölkerung.
  • Zu Honduras und San Salvador fällt mir nichts ein.

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Mexico: Tonina in Chiapas, eine aufregende Ruinenstadt der Mayas

Tonina in Chiapas, eine aufregende Ruinenstadt der MayasDie Stadt war von 400 v.Chr. bis 900 n.Chr. bewohnt. Die guterhaltenen Ruinen wurden erst in den letzten 10 Jahren freigelegt, somit ist der Bekanntheitsgrad noch nicht so groß (Bild 5). Das kleine angeschlossene Museum ist vom Feinsten, eine gelungene Kombination aus Architektur und Ausstellungsstücken.

Beeindruckend sind die lichtgefilterten Räume zur Unterwelt. Hier wurden die Menschen gereinigt, die dann geopfert wurden. Ein Jahreskalender wird auf einem Fries, gemäß der 260 Tageregel, dargestellt. Der tägliche Sonnenauf- und -untergang wird durch eine Steinkugel in einer Grotte symbolisiert. Insgesamt besteht die Anlage aus sieben Pyramidenstufen. Mit zunehmender Versklavung des Volkes und Erhöhung des Tributes kam es zum Aufstand. Sie zerstörten große Teile der Anlage und vertrieben den König und die Priester, die nach Palenque flohen und dort als 20igste Dynastie weiter regierten.

Pikanterweise hat sich bereits damals das Volk der Chiapas gewehrt, wie unlängst gegen die Zentralregierung in Mexiko City. Sie sind rückständig, dickköpfig und föderalistisch. Tür an Tür leben sie jetzt mit den erkämpften Freiheiten und dem mexikanischen Militär. Brandrodung ist immer noch eine gängige Form zur kurzfristigen Nutzung des Urwaldbodens.

Zur Ehrerweisung der Mexikaner: In kaum einem anderen Land gab es so viele unvoreingenommene und freundliche Menschen. Man könnte meinen, die Frage wird beantwortet bevor sie gestellt wird. Mexico hat im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten das Thema Umweltschutz unter Kontrolle.

Leistung der Spanier

In jeder Ecke der bisher bereisten Länder haben sich die Spanier verewigt und wenn es nur die Sprache ist. Diese Leistung scheint mir einmalig. Deshalb der Versuch, die Ecksteine zusammenzufassen.

1492 12. Oktober Columbus, in Spanien Colon genannt, entdeckt eine Insel der Bahamas. Am 28 Oktober erreicht seine Flotte Cuba.

1493 bereits ein Jahr später vereinbart Pabst Alexander VI mit dem spanischen König Fernando Vorgehensweisen zur Missionierung der Indios. Es gab noch keinerlei Vorstellungen über die Größe des entdeckten Landes. Wahrscheinlich wurden bereits zu diesem Zeitpunkt die beiden Ziele definiert: Ausbeutung der Bodenschätze und Versklavung der Natives, um billig produzieren zu können.

1502 Columbus bricht zu seiner vierten und letzten Reise auf. Er landet in Zentralamerika und ankert u.A. in der Bucht von Nombre de Dias im heutigen Panama. Von hier wurde zum ersten Mal der Istmus von Panama zur pazifischen Küste durchquert.

1510 erste Niederlassung in Panama an der Pazifikküste. Schiffe für den Einsatz im Pazifik werden gebaut 1519 erobert Cortes nach langen Querelen mit dem spanischen König, das heutige Mexico City. Moctezuma Xocoyotzin, damaliger Herrscher über das Aztekenreich, hatte über Jahre die umliegenden Völker versklavt oder als Potential für Menschenopfer betrachtet. Somit war es für Cortes ein leichtes, sich mit den Totonacos und Tlaxcaltecas zu verbünden, um eine kritische Truppenstärke zu erreichen. Zudem hat der Pockenvirus, von den Spaniern eingeschleppt, grassiert. Die ersten Schatzschiffe starteten in Richtung Sevilla.

1533 Pizzaro und seine Verbündeten erobern und zerstören das Inkareich. Das einstmals straff organisierte Reich kollabiert. Die spanischen Schergen bedienen sich der unermesslichen Reichtümer

1534 Ab diesem Zeitpunkt beginnt die organisierte Ausbeutung. Lamakarawanen transportieren Edelmetalle aus Peru (Cuzco) und Bolivien (Potosi) zum Hafen von Arica im heutigen Nordchile. Im Pendelbetrieb bringen Schiffe die Güter nach Panama an der Pazifikküste. Eselskarawanen wiederum transportieren die Güter über den Istmus von Panama nach Nombre de Dias an der Atlantikküste. Von dort wie gehabt nach Sevilla. Die Ausbeutung von Potosi findet heute noch statt.

1560 Alle wichtigen Positionen von Chile bis zum heutigen Texas werden von Spaniern und der kath. Kirche besetzt.

1580 Francis Drake, der Seeräuber im Amt der brit. Königin, zerstört Nombre de Dias. Der Hafen wir unweit in das befestigte Porto Bello verlegt. Die unendliche Ausbeutung kann weitergehen.

1810 Die Kolonien nutzen die Schwäche Spaniens bedingt durch den Einmarsch von Napoleon. Insbesondere Jose San Martin für den Süden, und Simon Bolivar für den Norden, betreiben erfolgreich die Abspaltung ^Was geblieben ist, ist die Sprache und Zeugen der spanischen Architektur.

Anmerkung: Vorstehende Daten stammen aus Inschriften, Berichten, Museen, Beobachtungen und Befragungen.

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USA in Kürze

Der Übergang zu USA bei Brownsville war gnadenlos. Arm und Reich stehen sich hier Aug in Aug gegenüber. South Padre Island ist eine Urlauberstadt mit unzähligen großen Hotels an der Küste entlang. Gravierender könnte der Unterschied zwischen Süd- und Nordamerika nicht dargestellt werden. Ich war innerlich aufgewühlt. Nach Monaten in Armut und ’Rückständigkeit’ wurde ich übergangslos mit Reichtum und Überfluss konfrontiert. Bei guten Freunden in Austin habe ein Paar Tage verbracht. Es hat gut getan, in einer herzlichen Umgebung die Seele baumeln zu lassen.
 
Durch das Hinterland von Texas, wo Wasser immer noch mit dem Windrad gepumpt wird (Bild 6), fahre ich weiter nach New Mexico. Einfühlsam wurde hier die kubische Architektur und die Farben der Natives übernommen. Denver in Colorado platzt mit spektakulären Bauten der High Tech Branche aus allen Nähten. Vor Cheyenne, der Hauptstadt von Wyoming, beginnt die Prärie. Welliges Land, mit dichtem Gras bewachsen. Jetzt haben nur noch die Bisons gefehlt. Durch diese Gegend hat der berühmte Oregon Trail geführt. Der Pioniergeist damaliger Prägung lag immer noch in der Luft, ich war fasziniert. Zur besseren Einordnung eine Zeittafel:

1805 Die Lewis Clark Expetition startet in San Louis, Mississippi und erreicht die Westküste am Mündungsdelta des Columbian River. Die Expetition ist 28 Monate unterwegs.

1841 verlassen die ersten Emigranten Mississippi in Richtung Oregon. Bis 1869 zogen etwa 250.000 nach Westen, davon ca. 70.000 Mormonen. Die Gründe waren: freies Land, freie Glaubensausübung, Wirtschaftsrezession, Gold und Abenteuerlust. Mit Ochsenkarren wurden die 2.000 Meilen über den 3.000 m hohen Whitepass in den Rockies überwunden. Die Reisedauer beträgt bei einer Tagesleistung von 18 miles 4,5 – 5 Monate

1848 Kriegsende zwischen Mexico und USA, USA annektiert New Mexico 1848 James W. Marschall findet Gold in der Nähe des heutige Baker City in Oregon. Das Goldfieber bricht aus. Menschen allen Couleurs machen sich auf, um das schnelle Geld zu machen. In dieser Gegend wird noch heute Gold abgebaut.

1869 in Utah werden die Schienenstränge Union Pacific und Cenral Pacific zur ersten transcontinentalen Route verbunden. Damit wurde die Wanderung mit den Planwagen langsam beendet.

In fast jedem Ort auf dieser Strecke sind liebevoll eingerichtete Museen. Ich habe jedes besucht und Stunden darin verbracht. Eindrucksvoll werden die Chancen und Risiken sowie Freuden und Qualen dargestellt. Z.B. in Green River in Wyoming, und Montpellier in Idaho und Baker City in Oregon.
Aus dieser Gegend stammt das berühmte Gangsterduo Butch Cassidy und Sundance Kid. Beide haben sind nach Südamerika geflüchtet und wurden nach Jahren der Verfolgung im entferntesten Winkel von Bolivien erschossen. Da habe ich mich fast wie der kleine Bruder gefühlt.

Abschließend: Im Grunde sind die USA ein vereintes Europa, nur wesentlich weiter. Eine Sprache, die europäischen Landsmannschaften haben sich vermischt. Viele Amerikaner haben Vorfahren in D und sind der deutschen Sprache nicht mehr mächtig..

Kanada

Nördlich von Seattle, bei Abbotsford, bin ich in die Provinz British Columbia eingereist. Die Grenzformalitäten waren wohltuend einfach. Ziel war

- Inuvik, die nördlichste, auf einer Straße erreichbare Stadt im Nothwest Territorie

- und der Kontakt mit First Nations People (Indianer) und Inuits (Eskimo).

Bei Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad war es eine Freude, den Fraser River hinauf nach Prince George zu fahren. Die ersten Begegnungen mit den First Nations Peoples waren sehr positiv. Sie haben mir u.A. den Unterschied zwischen den fünf Lachsarten im Fraser River erläutert. Auf den nächsten 400 km auf dem HW 16 fanden die Unterhaltungen in Deutsch statt, man könnte meinen, hier lebt eine deutsche Kolonie.

Totems am Cassier HWKurz nach der Kreuzung zum Cassier HW wird in einem kleinen Dorf noch die Tradition der Totem Pfähle gepflegt. Diese Pfähle dienten in erster Linie, den gesellschaftlichen Rang der Erbauers öffentlich zu demonstrieren.

Auf der Suche nach First Nations biege ich bei Dease Lake nach Telepraph Creek ab. Das alte Dorf Tahltan-Indianer darf nur mit schriftlicher Genehmigung besucht werden, die habe ich natürlich nicht. Als Alternative habe ich mich für einen Rundflug mit einer einmotorigen Maschine der Graham Air (3 einmotorige Maschinen) entschieden.

Überraschende VukanlandschaftenÜberraschenderweise präsentiert sich eine Lavalandschaft, beginnend auf etwa 2.000 m (Bild 8). Das Zentrum der Vulkantätigkeit liegt dabei auf ca. 3.000 m und ist stark vergletschert. Deutlich sind die schwefelhaltigen Flanken mit einer Vielzahl von Rot-, Gelb- und Brauntönen zu sehen, und das alles in einer riesigen, unberührten Waldlandschaft.


Whitehorse, die Hauptstadt des Yukon, mit 23.000 Einwohner, liegt – wie es sich gehört – am großen Yukon River. Bereits zur Gold Rush Zeit wurde auch hier das Gut der Glücksritter auf dem Yukon mit Schiffen nach Dawson City gebracht. Die ehemalige Anlegestelle ist noch gut erhalten. Whitehorse ist eine lebendige, liebenswürdige, kleine Stadt mit den notwendigen Geschäften und einem Ambiente zwischen Gold Rush und Künstler heutiger Prägung. Z.B., Musiker, Clowns, Sängerin und Boutiquen.

Guess what: Das gesamte Yukon Territorie ist größer als Deutschland mit sage und schreibe 33.000 Einwohner, einschließlich aller noch tätigen Trapper und First Nations People, dagegen ist Patagonien dicht besiedelt. Beobachtung am Rande: Womit wäre die deutsche Industrie im Ausland vertreten, wenn es nicht Stihl Motorsägen und Rasenmäher gäbe.

Bisher musste ich die Fenster wegen Staub hochkurbeln, entlang dem Klondike HW wegen Rauch. Yukon, das Land zwischen Permafrost und Waldbrand. Bis zu 140 Waldbrände wurden gezählt. Je nach Windrichtung war die Sicht tagelang auf einen km beschränkt. Menschen wurden evakuiert und Strassen gesperrt. Das Straßennetz im Yukon besteht aus 5 Highways und drei Kreuzungen, einfach zu merken und zu sperren.

Mitternachtssonne an der Hudson BayKurz vor Dawson City biegt der Dempster HW nach Norden ab. 750 km auf Schotter, eine Tankstelle und das war’s. Dieser HW wurde 1975 fertiggestellt und ist bereits Geschichte. Hier ist das Land der Mitternachtssonne, der Trapper, der Hudson Bay Company, der First Nations Peoples, der Inuits, der Royal Canadian Mounted Police Patroles und dem kosmopolitischen Inuvik. Die Strecke führt durch die Tombstone Mountain, dem Blackstone Plateau, den Richardson Mountain, überquert den Peel- und den Mackenzie River. Tundra, Wald und Hochebenen gehen ineinander über.

Gespräch im Style & Tangles Barber Shop in Inuvik:

Aus Como kommender Libanese schneidet seit 16 Monaten den Menschen hier die Haare. Einziges Motiv ist, Geld zu verdienen. Seine Frau ist – wie nicht anders zu erwarten – todunglücklich. Im Sommer dominieren die Mücken, im Winter die Kälte. Seine libanesischen Freunde, zum Teil seit 25 Jahren in Inuvit, beherrschen unter anderem das lukrative Taxigeschäft in Inuvik.

Im Gespräch mit einem InuitGespräch mit einem Inuit in Mac Pherson (Bild 10): Er war etwa 45 Jahre alt und ist mit einer First Nations Frau verheiratet. Er wohnt in einem schmucken Häuschen, das in den strengen Wintern, bis –50 Grad, mit Holz geheizt wird. Er kehrt regelmäßig in sein Heimatdorf zurück, um Belugawale und Fische zu fangen. In Fort McPherson jagt er Enten - und insbesondere im Herbst - Elche und Karibus. Beide großen Tiere leben das ganze Jahr über in dieser Gegend. In Erinnerung an alte Zeiten, hält er sich noch Schlittenhunde. Die Hunde werden im Sommer jeden zweiten Tag und im Winter zweimal pro Tag gefüttert. Alle haben mehr oder weniger Wolfsblut in den Adern. Die Hunde leben das ganze Jahr im Freien. Wenn es besonders kalt ist, lässt er sie von der langen Kette, so dass sich die Hunde einen geschützten Platz unter Bäumen oder Büschen suchen können. Trotz Sesshaftigkeit pflegen die Inuits ihr traditionelles Leben in Form von Fischen und Jagen, wozu sie per Gesetz ermächtig sind.

Der Dempster Highway ist ein Ort der Herzlichkeit, den ich samt den neu gewonnenen kanadischen Freunden in’s Herz geschlossen habe.

Gerhard



Gerhard


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