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Old Ghan Railway Trophy von BIRD EXPLORING - Reisebericht
23.11.2005 - 14:58

Rekognoszierungsreise unseres Teams

Dieser Reisebericht erzählt von unseren Erlebnissen bei der Erkundung und Routenplanung für die Old Ghan Railway Trophy.Alle Touren werden von uns vorgängig abgefahren und genau studiert, um unseren Teilnehmern nur die spektakulärsten sowie schönsten Plätze und Strecken zeigen zu können.Wir starten unseren Trip in Adelaide, mit 1,1 Mio. Einwohnern die fünftgrösste Stadt Australiens. Die Stadt ist umgeben von ausgedehnten Parks und Grünflächen, was ihr die Bezeichnung „Hauptstadt im Grünen“ eingebracht hat.

Ein weiterer Beinamen, „Stadt der Kirchen“, beruht auf der Tatsache, dass die heutige Metropole am Torrens River einst von freien engagierten Siedlern gegründet wurde, die zahlreiche Gotteshäuser errichteten. In der Nähe liegt das Barossa Valley, das berühmteste Weinanbaugebiet des fünften Kontinents. Hier werden rund ein Viertel aller australischen Weine gekeltert.

Bei planmässiger Ankunft der Trophy von Norden nach Süden organisieren unsere Guides einen ganztägigen Trip durch das Barossa Valley. Diverse Winzer werden besucht und auch die Degustation kommt nicht zu kurz.

Eine Tagesetappe von 450 Km genügt um nach Wilpena zu gelangen, die Strecke führt uns entlang der Küste vom Gulf St. Vincent.



Wir überqueren die Grenze zum Flinders Ranges Nationalpark. Den Defekt der Fotokamera bemerkten wir erst beim Verlassen des Nationalparks, daher stehen keine Bilder der Flinders Ranges zur Verfügung.

Zwar sind die aus hartem, erosionsbeständigem Quarzit bestehenden Gipfel und Bergrücken nicht sonderlich hoch, doch zeichnen sie sich durch schroffe Formen und intensive Farben aus.

Vor allem während der Frühjahrsblüte im September und Oktober, wenn sich der sonst verdörrte Landstrich in einen riesigen Blumenteppich verwandelt, finden Naturliebhaber, Buschwanderer und Fotografen hier ein Paradies.

Die von Süden kommende Teerstrasse endet in Wilpena, einer kleinen Siedlung am Rande des Wilpena Pound. Ein bis zu 1000m hoher Felswall umgibt dieses natürliche, 16 Km lange und 10 Km breite Amphitheater. Mit 1188m ist der St. Marys Peak die höchste Erhebung dieses ringförmigen Quarzitgebirges.

Nördlich von Wilpena erschliesst ein Netz von teils recht rauen Schotter- und Naturpisten den Nationalpark. Genau auf diesen Pisten werden wir den Nationalpark und seine Sehenswürdigkeiten erkunden.

Eine Buschpiste führt direkt zum weiter nördlich gelegenen Gammon Ranges Nationalpark.

Hauptanziehungspunkt dieses Naturschutzgebiets mit spektakulären Bergpanoramen aus imposanten rotbraunen Gipfeln ist die Gegend um die ehemalige Schaffarm Arkaroola, wo sich heute eine Ferienanlage befindet.

Rund um diese Ferienanlage befinden sich diverse Tracks, auf denen zum ersten Mal so richtiges Trophyfieber aufkommt.

Ein Special Event erwartet die Teilnehmer der Trophy auf der Ridgetop Tour, näher wollen wir an dieser Stelle nicht darauf eingehen.

Wir verlassen die Region und machen uns weiter auf den Weg nach Norden.

Marree ist der eigentliche Startort unserer künftigen Old Ghan Railway Trophy.

Sie führt entlang der stillgelegten Eisenbahnlinie, durch ausgedehnte Sand- und Steinwüsten, weiten Grassteppen und diversen Salzseen.

Es gibt allerhand zu entdecken auf dieser Strecke: Ruinen von Bahnhöfen, verrostete Wassertürme, alte Eisenbahnbrücken etc.

Der Track führt über eine passable Schotterpiste. Versorgungsmöglichkeiten gibt es in Marree, William Creek und Oodnadatta.

Marree war einst ein Verladebahnhof für Rinder und Versorgungsstadt für die umliegenden Farmen. Vor der Fertigstellung der Eisenbahnlinie transportierten von hier aus Kamelkarawanen Personen und Güter zu den Farmen oder bis nach Alice Springs. Um die Jahrhundertwende waren es ca. 1500 Kamele und Dromedare.

Obwohl die meisten Kameltreiber nicht aus Afghanistan kamen, nannte man sie Ghans. Daher der Name der Eisenbahnlinie, Ghan Railway.

Als die transkontinentale Eisenbahnlinie bis nach Alice Springs fertig gebaut war, verloren die Kameltreiber ihren Job. Da man für die Kamele keine Verwendung mehr hatte, schickte man diese buchstäblich in die Wüste. Dort haben sie sich bis heute vermehrt und so wurde Australien das einzige Land in dem heute noch wilde Kamele leben.

Ein halbes Jahrhundert später kam das Aus für die Eisenbahnstrecke. Die Erbauer hatten sie durch eines der Gebiete geführt, welches nach den jeweils sporadischen Regenfällen von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wird. Ganze Brücken und Bahndämme wurden immer wieder weggespült, so dass die Strecke aufgegeben werden musste. Seit 1980 verläuft eine wetterfeste Strecke 200 Km weiter westlich.

Auf unserem Weg liegen viele aufgegebene Bahnstationen. Calanna Siding ist eine der alle 30- 40 Km vorhandenen Haltepunkte. Hier wurden die Dampflokomotiven mit Wasser aufgefüllt, welches vom artesischen Becken angezapft wurde.

Weiter nördlich kommen wir an den Lake Eyre, dem grössten Salzsee Australiens.

Er hat eine Gesamtfläche von 9500 Km2, ist 144 Km lang und 77 Km breit. Lange Zeit glaubte man, dass sich das Becken nie mit Wasser füllen würde. Mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 70mm gilt die Region als die trockenste von Australien. Dies mag aber nichts heissen, oft fällt jahrelang kein Regentropfen und dann prasselt die Menge von mehreren Jahren nieder. So war der Lake Eyre nach sintflutartigen Regenfällen 1950, 1974, 1989 mehrere Meter hoch geflutet. Sofort machen sich Wasservögel und im trockenen Untergrund versteckte Fische das Feuchtgebiet zum Lebensraum. Ein wunderbares Naturschauspiel welches nur sehr selten stattfindet.

In Curdimurka Siding findet alle zwei Jahre ein Outback Ball statt. Tausende von Besuchern strömen mit Geländewagen und Kleinfugzeugen hierher und verwandeln den verlassenen Bahnhof in eine riesige Partylandschaft.

Etwas weiter treffen wir auf Blanche Cup - eine Art Überdruckventil des artesischen Beckens. Das heisse Wasser brodelt aus dem Untergrund auf. Baden ist allerdings verboten.

In William Creek erinnern Raketenteile an die Versuche der britischen Regierung, welche in Woomera ein Testgelände betrieb.

Ein 21 Km langer rauer Track führt zur Old Peak Telegraph Station, eine Relaisstation der Überland-Telegraphenleitung. 1891 wurde sie stillgelegt, aber noch heute sind einige liebevoll restaurierte Gebäude erhalten.

140 Km nördlich von William Creek überquert die Eisenbahnlinie den Neales River über die 578m lange Algebuckina Bridge. Dies ist die längste Brücke der Old Ghan Railway. In der Nähe liegt ein schönes Buschcamp beim Algebuckina Waterhole.

Nach ca. 400 Km staubiger Piste erreichen wir Oodnadatta. Ein Besuch des Railway Museum ist für Eisenbahn-Liebhaber Pflicht.

Kurz nach Oodnadatta wird die Strecke rauer und holpriger. Wir begeben uns nun in klassisches 4WD-Terrain. Über die Cattle Station Hamilton erreicht man Dalhousie Springs im Witijara Nationalpark. Startpunkt der ab 2007 von uns durchgeführten French Line Trophy.

Ein wunderbarer Pool lädt hier zum Baden ein. Leider ist das ca. 38 Grad warme Wasser in der Hitze keine wirkliche Erfrischung.

Eine weitere Versorgungsmöglichkeit bietet sich bei Mt. Dare Homestead. Nachts kommen oft Kamele hier hin um an der Wasserstelle zu trinken.

Wir verlassen die Piste des Old Ghan um einen Abstecher zur Old Andado Farm zu machen. In der Nähe dieser Farm sind Akazien aus der Urzeit zu sehen. Diese wachsen sonst nur noch in der Nähe von Birdsville und Boulia in Queensland.

Wir fahren via New Crown nach Finke. Die Schotterpiste führt über zahlreiche mit Spinifex-Gras überwachsene Dünen und gleicht einer wahren Achterbahn.

In Finke treffen wir wieder auf die Strecke des Old Ghan und fahren auf dem tiefsandigen Bahndamm bis nach Maryvale. Von dort führt eine hügelige, raue und nur mit 4WD zu bewältigende Piste zum Chambers Pillar. In Millionen von Jahren haben Wind und Wetter das Gebilde aus dem weichen Sandsteinplateau modelliert. Lange Zeit diente der Chambers Pillar den Forschungsreisenden und Siedlern als Orientierungspunkt. Hier liegt auch das wohl schönste Buschcamp Zentral Australiens.

Wenig später verlassen wir definitiv die Strecke des Old Ghan und fahren ins Rainbow Valley, welches nur mit Allrad über sandige Pisten zu erreichen ist. Im Tal ragen Sandsteinklippen auf, deren von Gelb bis Rot reichende Farbpalette durch die Oxidation des im Sandstein enthaltenen Eisens entstand. Leider ist die Piste ins Rainbow Valley eine Stichstrasse und wir müssen wieder zurück fahren.

Es geht weiter in den Finke Gorge Nationalpark, den wir auf einer sehr harten und steinigen Piste durchqueren. Unser Nachtlager schlagen wir im Palm Valley auf. Hier wächst eine Palmenart aus den Anfängen der Erdgeschichte. Nirgendwo sonst auf der Welt ist diese Palmenart zu finden und somit sicherlich ein Besuch wert.


Nachdem wir die West- und East Mac Donnel Ranges besucht haben, treffen wir in Alice Springs ein und geniessen wieder einmal die Vorzüge der Zivilisation.

Die Mac Donnel Ranges sind touristisch sehr stark frequentiert und werden daher nicht in unsere Trophy aufgenommen. Es gibt mehr als genug Touranbieter und andere Möglichkeiten, die diversen Billabongs und Malereien der Aborigines zu bewundern.

Unsere Reise geht langsam zu Ende; es bleibt aber noch genügend Zeit um die Devils Marbels und die Katherine Gorge zu besuchen bis wir in Darwin ankommen.


Darwin ist die Hauptstadt des Northern Territory und zugleich das bedeutendste Zentrum im Top End, dem oberen Ende von Australien. Bis zum zweiten Weltkrieg ein verschlafenes Tropennest, hat sich die Stadt trotz zweimaliger fast völliger Zerstörung zu einem wichtigen Tor nach Australien, sowie dank der günstigen Lage zum Grossraum Südostasien zu einem bedeutenden Handelszentrum entwickelt.


Die Old Ghan Trophy führt die Teilnehmer durch einen Mix aus touristisch wenig erschlossenem bis gut erschlossenem Gebiet und gibt Einblick in die Eisenbahngeschichte von Australien.

Wer die Verbindung von Pioniergeist, Abenteuer und touristischem Highlight liebt, wird mit dieser Trophy ein unvergessliches Erlebnis haben.



Voegu


gedruckt am Heute, 18:58
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