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Cape York Trophy von BIRD EXPLORING - Reisebericht
20.05.2005 - 17:53

Dieser Reisebericht erzählt von unseren Erlebnissen bei der Erkundung und Routenplanung für die „Cape York Trophy“. Alle Touren werden von uns vorgängig abgefahren und genau studiert, um unseren Teilnehmern nur die spektakulärsten sowie schönsten Plätze und Strecken zeigen zu können.

Unser Trip startet in Cairns im Norden von Queensland.
Wir beladen die Fahrzeuge mit unserem Gepäck. Danach geht’s ab zum grossen Einkauf ins Einkaufszentrum Central. Unsere erste Nacht verbringen wir in Kuranda - umgeben von Regenwald finden wir einen schönen Campground. Nach einem guten Nachtessen geniessen wir unseren ersten Abend im Freien unter Australiens Sternenhimmel. Je dunkler es wird, desto mehr beginnt das Leben im Regenwald. In nicht allzu weiter Entfernung hüpft ein Wallaby vorbei und immer wieder sieht man Bandycoots vorbeirennen. Schon früh am Abend macht sich die Müdigkeit breit und wir spüren die Folgen der langen Reise und der Zeitumstellung. Also legen wir uns schlafen damit wir wieder fit sind - denn morgen geht’s los!

Die Nacht haben wir unbeschadet überstanden, es ist schon ein wenig ungewohnt all diese Geräusche im Regenwald mitzuhören. Um 09.00 ist Abfahrt zum Black Mountain Track, welcher uns durch den Regenwald führen wird.

Die Strecke besteht aus ca. 60 km Track und Gravelroad; dann noch 2,5 km über Teerstrasse, was ungemein entspannend ist nach dem Gerüttel auf dem Track. Wir erreichen Daintree nach ca. 70 km; suchen hier sogleich einen Nachtplatz und stellen das Zelt auf. In dieser Gegend hat es sehr viele Frösche und Kröten, welche besonders Claudia und mich nicht gerade entzücken. Nachdem wir uns mit Simon (Besitzer vom Campingplatz) für eine 2-stündige Bootstour auf dem Daintree-River am nächsten Morgen verabredet haben, geht’s ans Kochen. Pat und Roland sind die Grillmeister, den Rest besorgen Claudia und ich. Auch hier geniessen wir wieder ein herrliches Nachtessen, fallen müde vom Tag auf die „Matte“ und schlafen auch bald ein.

Wie jeden Morgen stehen wir fast mit der Sonne auf. Pünktlich um 08.00 stehen wir am Flussufer bereit und Simon kommt mit seinem Boot angefahren. Nachdem er uns ein paar Sachen zur Umgebung und dem Fluss erklärt hat, sehen wir nach ca. 1 Stunde Bootsfahrt auf dem Daintree-River ein Krokodilpärchen, welches sich gemütlich am Flussufer sonnt. Das Weibchen sei etwa 6 Meter und das Männchen 8 Meter lang. 

Nachdem Pat und Roland fotografiert und gefilmt haben geht die Fahrt weiter. Aber ausser ein paar Vögel sehen wir leider keine anderen Tiere mehr.
Nach unserem Bootsausflug machen wir uns auf den Weg zur Furt am Daintree-River, welche bereits tags zuvor von den Männern inspiziert worden war. Die Überquerung bereitet uns keine grösseren Probleme. So habe auch ich jetzt meine erste Flussüberquerung im Auto hinter mich gebracht; stand zuvor doch dem Ganzen ein wenig skeptisch gegenüber, da wir schliesslich in genau diesem Fluss zwei Stunden zuvor zwei stattliche Krokodile gesehen haben.

Die erste Hürde des CREB Track ist somit geschafft und nun beginnt die ca. 50 km Fahrt auf einem schmalen Pfad durch Regenwald und Steppe. Die Erde wechselt innerhalb von ein paar Metern von rot auf weiss oder gelb. Auf 2/3 der Strecke biegen wir ab und fahren zu den Roaring Meg Falls. Diese erreichen wir dann nach einem 15-minütigen Fussmarsch. Nach diesem kurzen Abstecher kehren wir wieder auf den CREB Track zurück.

Via Ayton und Rossville erreichen wir nach 75 km unseren nächsten Übernachtungsplatz: Home Rule. Nachdem wir unser „Quartier“ bezogen haben, fahren wir um 19.00 (bei voller Dunkelheit) los und speisen im 20 Min. entfernten „Lions Den Hotel“, welches aber mehr einem Pub mit Schlafgelegenheit als einem Hotel gleicht. Dieses Pub sieht noch genau so aus wie vor 100 Jahren. Das Essen ist vorzüglich und es werden Riesenportionen aufgetischt.

Nach einem ausgedehnten Frühstück beschliessen Pat und Roland zu den 20 Min. entfernten Home Rule Falls zu spazieren, wo sie auch prompt die erste Schlange zu Gesicht bekommen. Währenddessen machen es Claudia und ich uns gemütlich; lesen ein wenig und waschen die Kleider, die schon ziemlich gelitten haben. Nachdem unsere Männer von ihrem Ausflug zurückgekommen sind, berichten sie uns von ihrer Begegnung mit der Schlange und dem Bad von Roland im doch eher kalten Wasser der Falls. Um 10.00 fahren wir los mit Ziel Cape Melville, welches nördlich von Cooktown liegt.

Zuerst führt uns die Strecke via Helenvale nach Cooktown. Auf der 50 km langen Strecke machen wir einen kurzen Abstecher zu einem Billabong. Kaum dort angekommen entledigt Pat sich seiner Kleider und springt ins kühle Nass, welches zum Baden nur so einlädt.

In Cooktown angekommen besichtigen wir den Leuchtturm. Nachdem wir hier unsere Vorräte wieder ein wenig aufgefrischt haben, fahren wir weiter. Nach einem „raffen“ und sehr holprigen Track, der sehr mühsam zu fahren ist, erreichen wir endlich um 22.00 unser Ziel. Da wir die letzten 3 Std. im Dunkeln fahren mussten, sind wir alle ziemlich müde. Bei sturmböenartigen Winden stellen wir unser Zelt am Strand auf. Claudia, Roland und Pat essen noch Spaghetti, während ich mich schon schlafen lege.

Nach einer windigen Nacht und einem ebenso windigen Frühstück packen wir unsere 7 Sachen zusammen und fahren ca. 2 Std. wieder den gleichen Weg zurück, bis wir an die Gabelung bei den Wakooka Ruins kommen. Dies ist eine alte Cattle-Station, von der nur noch ein paar verrostete Autos und eine Hütte vorhanden sind. Wir staunen nicht schlecht als Roland mit einer Dose Vegimite auftaucht. Dies ist ein bei den Australiern sehr beliebter Brotaufstrich, jedoch für die meisten Touristen nicht geniessbar.

Dann geht’s weiter in Richtung Westen via Lakefield Nationalpark bis zum Musgrave Roadhouse. Hier treffen wir einen gemütlichen Zeltplatz an; umgeben mit Pferden, Hühner und allerlei Gerümpel. Neben dem Campground befindet sich eine Naturpiste für Flugzeuge und eine Tankstelle.
Früher diente das Musgrave Roadhouse als Relaisstation der Telegraphenleitung welche von Cooktown zum Cape York führte. Heute ist es ein wichtiger Versorgungspunkt, mit eigener Werkstatt, auf dem Weg zum TIP (Cape York).

Auch heute haben wir eine relativ weite Strecke vor uns. Wir wollen noch bei Tageslicht Chili Beach erreichen, welches an der Ostküste liegt. Unsere Route führte uns via Coen, der heimlichen Hauptstadt der Halbinsel. Die Fahrt geht weiter bis zum Archer River Roadhouse, wo es die grössten Hamburger der Cape York Halbinsel geben soll. Natürlich müssen wir das unbedingt testen. Unser Fazit: Die Hamburger sind wirklich gut.

Hier kann man auch eine Taipan-Schlange (einer der giftigsten Schlangen Australiens), welche sich in das Roadhouse geschlichen hat, besichtigen. Allerdings – resp.  glücklicherweise - ist sie in einem Glas konserviert. Gestärkt fahren wir nun weiter auf der Gravel Road bis zur Abzweigung Richtung Cape Weymouth und Chili Beach. Um 17.00 erreichen wir Chili Beach, welcher zwar sehr windig aber schon fast „Bounty“-Werbung mässig ist. Wir finden einen Platz im Windschatten und stellen unser Zelt unter Kokospalmen auf.

Auch für unseren Apéro ist schon bald gesorgt. Roland klettert blitzschnell auf eine Palme und holt eine Kokosnuss herunter, die dann sogleich bearbeitet wird und auch wirklich hervorragend schmeckt. Um das Feeling von Karibik und Abenteuer perfekt zu machen wird aus dem Holz, welches Pat und Roland unterwegs gesammelt haben, ein Feuer gemacht. 
Obwohl es auch Nachts über gestürmt hat, haben wir wunderbar geschlafen. Um 09.00 ist schon alles wieder eingepackt und wir fahren durch den Iron Range Nationalpark zurück, bis wir nach 55 km die Abzweigung auf den Frenchmans Track erreichen. Bald muss die Furt des auch in der Trockenzeit relativ tiefen und schnell fliessenden Pascoe River durchquert werden.

Die Ein- und Ausfahrt der Furt ist steil und führt über kleinere Felsbrocken. Nach 22 km erreichen wir die Moreton Telegraph Station und nach weiteren 40 km Bramwell Junction. Nach einem kurzen Halt verlassen wir nun die Peninsula Developmental Road und nehmen den Old Telegraph Track in Angriff. Der Track gilt als eines der letzten australischen Off-Road-Abenteuer. Wir fahren heute nur einen relativ kurzen Teil und treffen um 15.30 im Bush Camp des Dulhunty River ein. Hier schlagen wir erneut unser Zelt auf, was mittlerweile schon fast wie im Schlaf geht.

Heute steht eines der Highlights des Off-Road auf dem Programm.
Der Old Telegraph Track!! Die Off-Road-Achterbahn führt uns immer weiter nordwärts durch tiefe Flüsse und morastige Sümpfe, bis wir nach 16km auf den berühmt-berüchtigten Gun Shot Creek stossen.

Es erwarten uns hier 4m hohe, fast lotrechte Uferböschungen, und nicht ohne Grund gibt es eine Umfahrung für diesen raffen Streckenabschnitt. Nach genauer Inspektion durch Roland und Pat, wagt sich zuerst Roland auf der rechten Seite an einen steilen und sehr schmalen Abhang heran, welcher wirklich fast senkrecht herunter geht.

Auch Pat traut sich den steilen Abhang herunter, der ein wenig breiter dafür aber ziemlich schräg ist, so dass das Auto in eine Schräglage kommt und prompt im Morast stecken bleibt.

Ein Herauskommen ohne Seilwinde ist nicht mehr möglich. Die Aktion wird sofort in Angriff genommen und Roland stellt sein Auto in Position, so dass er mit der Seilwinde unseren Wagen herausziehen kann. Mit vereinten Kräften kann die Befreiungsaktion dann auch erfolgreich abgeschlossen werden. Auf dieses mit Adrenalinausschüttungen verbundene Abenteuer, genehmigen sich die Männer ein Bier.

Wir biegen unterwegs ab zu den wunderschönen Fruit Bat Falls, bei denen man baden kann. Das Wasser ist angenehm kühl und klar, und wir geniessen das erfrischende Bad. Die Fahrt geht weiter und es folgen immer wieder Flussüberquerungen mit mehr oder weniger heimtückischen Behinderungen. Beim Cannibal-Creek stossen wir auf ein weiteres Abenteuer; eine Brücke (wenn man das so nennen kann) welche nur aus ein paar Holzstämmen besteht, die aber teilweise schon gebrochen sind. Da es keine andere Möglichkeit gibt diesen Fluss zu passieren, heisst es „Augen zu und durch“.

Die Überquerung verlangt hohe Konzentration und Fingerspitzengefühl. Beide Autos haben - dank genauen Anweisungen über Funk - die Überquerung gut überstanden. Für uns hat diese Brücke noch gehalten – doch wie lange geht dies hier noch gut…?

Weiter geht’s und um 16.30 kommen wir bei der Jardine River Ferry an, wo wir nach Bezahlung von 88 AUD pro Fahrzeug mit einer Fähre über den Fluss setzen. Dieser Fluss wurde zum letzten Mal vor 15 Jahren erfolgreich von einem Auto durchquert. Vor ca. 10 Jahren ist ein Wagen bei der Überquerung im weichen Sand stecken geblieben und konnte nur noch von Einheimischen mittels einer Schiffsankerwinde herausgezogen werden. Dieser „Spass“ würde heute etwa 3000.- AUD kosten. Gefährlich ist das Ganze auch wegen der vielen Krokodile, die hier zu Hause sind.

Eine Stunde später kommen wir in Bamaga an und finden im angrenzenden Seisa einen Campground. Hier ist es schon fast luxuriös, denn wir haben Wasser und Strom und können alle Akkus wieder einmal aufladen.

Nach einem gemütlichen Spaziergang am Strand bei Sonnenuntergang; einem Spaghetti-Abendessen und anschliessender Videovorführung von Roland (in dessen Genuss wir fast jeden Abend kommen), sitzen wir noch gemütlich zusammen und fallen dann, nach einem weiteren erlebnisreichen Tag, müde in unser Zelt.

Wir fahren zu einem südöstlich gelegenen „Flugplatz“, bei dem rundherum alte Flugzeugwracks aus dem 2. Weltkrieg anzutreffen sind. Nach weiteren 34 km Gravel Road und Track (diesmal wieder in nördlicher Fahrtrichtung), erreichen wir eine stillgelegte Lodge. Nach 20 Min. Fussmarsch - vorbei an einem Strand mit türkisblauem Wasser - haben wir es geschafft und sind am „Tip“ angekommen.

Einige Fotos und Videoaufnahmen später, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Auf der Fahrt südwärts biegen wir nach 11 km links ab und fahren zu den Somerset Ruins, welche wir allerdings vergebens suchen. Ausser drei alten Kanonen und einer schönen Aussicht ist hier nichts zu sehen. Von hier geht der Track weiter und führt uns am Strand entlang, mit herrlicher Aussicht auf das türkisblaue Meer. Schon in der ersten Bucht winkt uns jemand von weitem zu und wir können bald sehen, dass er mit dem Auto im Sand stecken geblieben war. Wir helfen den Wagen aus dem Sand zu ziehen und erreichen um 18.00 wieder den Campground in Seisia.

Wir  fahren südwärts mit Ziel Elliot/Twins Falls. Nach 2,5 Stunden erreichen wir ein schönes Bush Camp ganz in der Nähe der Wasserfälle. Neben den Fruit Bat Falls, sind die Naturbecken der beiden Wasserfälle die einzigen Orte auf der Cape York Peninsula, an denen man ohne Angst vor Krokodilen baden kann. Nach einem kurzen Fussmarsch geniessen wir das kühle Nass und machen uns einen gemütlichen Nachmittag. Abends gibt es wie immer ein gutes Nachtessen (von Pat zubereitet), welches heute aus Reis und einer Curry/Kokossauce mit Ananasstückchen besteht. Auch hier geniessen wir einen umwerfenden Sternenhimmel. Nach einem guten Frühstück fahren wir los in Richtung Weipa, an der Westküste des Cape York Zipfels, wo wir uns die Bauxit-Minen anschauen wollen. Nach einer 4-stündigen Fahrt - auf welcher unterwegs beim Auto von Roland und Claudia die Blattfeder gebrochen ist - kommen wir in Weipa an. Ausser ein wenig relaxen und wieder einmal auswärts Abendessen, haben wir hier nicht viel gemacht.

Heute sind Roland und Pat mit dem Auto in eine Werkstatt gefahren. Da sie es erst heute Nachmittag abholen können, bleiben wir noch eine zweite Nacht auf diesem Zeltplatz. Dieser ist ziemlich überlaufen und nicht so gemütlich wie wir es uns von den Bush Camps gewohnt sind. Am Vormittag gehen wir auf eine Tour in die Bauxit-Minen. In Australien werden 24% der Weltproduktion, davon 10% in Weipa, abgebaut. Doch diese Tour erweist sich als „Schuss in den Ofen“, da wir zwei Stunden im Bus sitzen mit einer Horde quängelnder Kids. Nach diesem kleinen Ausflug verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag mit Lesen, Schreiben und Spaziergängen am Strand.

Nach einer unruhigen Nacht auf dem Zeltplatz von Weipa, sind wir froh abfahren zu können. Wir sind es nach fast zwei Wochen Busch und dessen Ruhe nicht mehr gewohnt, auf einem ziemlich überfüllten Zeltplatz zu übernachten.

Heute trennen wir uns für ein paar Tage von Claudia und Roland, die noch einen Abstecher in einen Nationalpark machen. Wir müssen unser Fahrzeug nach Cairns in die Werkstatt bringen, da das Fahrwerk langsam den Geist aufgibt. Mittlerweile sind alle vier Stossdämpfer fast nicht mehr zu gebrauchen. Im Archer River Roadhouse machen wir nochmals eine Pause und verabschieden uns. Weiter geht’s nach Coen wo wir zuerst den Quarantine Checkpoint passieren. Es dürfen vom Cape York her keine Bananen, Kokosnüsse und andere „Artefakte“ in dieses Gebiet eingeführt werden. Man will so vermeiden, dass Krankheiten und Fruchtfliegen von den Inseln vor Cape York eingeschleppt werden.

Wir schlagen auf dem Kalpowar Buschcamp unser Zelt auf. Hier haben wir ein wunderschönes „Plätzli“ gefunden und geniessen die Ruhe. Nach einem guten Nachtessen (Penne mit Tandorichicken-Sauce) macht Pat ein Feuer und wir geniessen einen weiteren Abend unter Sternenhimmel. Nachdem wir noch Besuch von einem Wallaby mit einem Jungen im Beutel bekommen haben, gehen wir dann schlafen. Obwohl es ein sehr ruhiger Campground ist, wachen wir beide mehrmals auf, weil wir immer wieder von Geräuschen aufgeschreckt werden. Es hüpft (Wallaby, Frösche); rennt (keine Ahnung was das war) und da ist auch noch der Vogel, der Frösche fängt.

Frisch gestärkt machen wir uns an die Weiterfahrt in Richtung Cairns. Doch schon nach 200 km bemerkt Pat, dass das Lenkrad bei gerader Fahrt nach rechts gedreht werden muss. Wir halten an um das Auto zu kontrollieren, welches mittlerweile verdächtig beim linken Vorderrad raucht. Nachdem Pat ein paar Schrauben am Rad gelöst hat, sieht er sofort, dass sehr wahrscheinlich die Lager defekt sind. Wir fragen also nach der nächsten Werkstatt, welche glücklicherweise ziemlich in der Nähe ist. Vorsichtig fahren wir dorthin. Wir treffen auf Chris, Rose und Urs, die zu unserem „Glück im Unglück“ ebenfalls Schweizer sind. Doch leider kann man uns hier nur sagen, dass das Teil so kaputt ist, dass man zuerst ein neues bestellen muss. So wird unsere Hoffnung heute noch nach Cairns zu gelangen jäh zerstört. Nachdem wir spontan zum Mittagessen eingeladen worden sind, bringt uns Rose in die nächste Ortschaft (Lakeland) wo wir übernachten werden. In unserem Motel angekommen - für 70 AUD die Nacht - freuen wir uns wieder einmal auf ein richtiges Bett.

Trotz Bett und ruhiger Nacht sind wir schon um 06.00 wieder wach, da es bereits taghell ist und die Vögel schon ihre Stimmen testen. Wir werden von Rose abgeholt und hoffen, dass das bestellte Teil wirklich angekommen ist (weiss man hier nie so genau). Pünktlich holt uns Rose ab und teilt uns mit, dass das Teil tatsächlich geliefert wurde. Zurück in der Werkstatt repariert Pat noch ein paar Sachen, während Urs unser Auto wieder fahrtauglich macht. Ich mache mit Rose das Geschirr vom „z`Nüni, zu dem sie uns auch wieder eingeladen haben. Dann können wir endlich losfahren und bedanken uns bei unseren „Rettern“ für die Gastfreundschaft und die interessanten Stunden die wir hier mit und bei ihnen verbringen durften.   

Nach 186 km kommen wir in Mareeba an. Mareeba ist ein ziemlich grosses Nest im Vergleich zu dem was wir in den letzten zwei Wochen angetroffen haben. Es hat  Shops, Restaurants, etc. Nach weiteren 62 km erreichen wir Cairns und fahren sofort zu der TCC (Aussenstelle unserer Autovermietfirma). Etwa zur gleichen Zeit treffen auch Claudia und Roland ein, die wir vor zwei Tagen zum letzten Mal gesehen haben.

Nachdem Pat und Roland alle Mängel der Werkstatt mitgeteilt haben,  fahren wir in die City. Zuerst suchen wir uns eine Unterkunft, da wir hier so lange „festsitzen“ bis unsere Autos wieder fahrtüchtig sind. Wir werden auch bald fündig und reservieren unsere Zimmer beim traumhaft schönen, am Hang von Edge Hill gelegenen B&B „Kooka’s“ von Marlies & Bruno.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Tauchen am Great Barrier Reef; ausgiebigen Shopping-Touren und dem Geniessen der Annehmlichkeiten die uns die „Zivilisation“ bietet.

Nach einer letzten Nacht im Kooka’s geniessen wir noch ein Mal das herrliche Frühstück von Marlies auf der grossen Terrasse. Die Autos sind wieder repariert und in gutem Zustand. Nachdem diese beladen sind, springen wir alle ein letztes Mal in den Pool und geniessen die herrliche Abkühlung. Wir verabschieden uns von Marlies und bedanken uns für die 5 erholsamen Tage im Kooka’s.

Jetzt heisst es die Vorräte auffüllen. Zu diesem Zweck fahren wir am Rande von Cairns noch in einen Woolworth (grosser Supermarkt wo man fast alles findet). Da wir schon Mitte Nachmittag haben, beschliessen wir nur noch ein kurzes Stück zu fahren und nehmen Kurs auf den Lake Tinaroo. Dies ist ein Stausee in den Tableland’s. Nach ca. 100 km z. T. kurvenreicher aber geteerten Strasse, finden wir einen gemütlichen Campground direkt am See. Nun heisst es wieder Zelt aufstellen und einrichten. Pat und Roland machen ein Feuer und es gibt Fleisch, Maiskolben und Salat zum Nachtessen.

Bald bemerken wir, dass in unserem Auto der Eiskasten nicht mehr funktioniert und können kaum glauben, dass wir morgen erneut nach Sydney (Hauptagentur von TCC) anrufen müssen. Im Moment ist wirklich „der Wurm drin“ und wir fragen uns, was wohl noch alles kommen mag und wie wir dieses Problem lösen können, ohne dass wir nochmals Zeit verlieren und nicht weiterreisen können.

Nach einer ruhigen aber hellen Nacht (der Vollmond hat den ganzen Himmel hell erleuchten lassen) stehen wir auf, packen unser Zelt zusammen und frühstücken. Wir besichtigen den Staudamm und finden anschliessend in der kleinen Ortschaft Tinaroo eine Telefonzelle. Da unser Kühlschrank definitiv defekt ist, erlaubt uns das TCC einen neuen zu kaufen – auf deren Kosten selbstverständlich. Doch nun stellt sich die Frage wo wir einen solchen herbekommen. Wir versuchen es in Atherton, der nächsten grösseren Ortschaft. Erfolglos. Also beschliessen wir vier, uns wieder einmal zu trennen. Wir verabreden, uns entweder am Abend auf dem Campground von Undara oder falls dies zeitlich nicht reicht, am nächsten Morgen in Chillagoe wieder zu treffen.

Auch in Mareeba finden wir kein Gerät, welches in etwa unserem entspricht und wir telefonieren daher nochmals mit Bruno (Leiter TCC), welcher uns rät, erneut nach Cairns zurückzufahren. Dies löst bei uns nicht gerade eine Welle der Begeisterung aus; fahren wir nun schon das zweite Mal nach Cairns zurück. Aber es gibt keine andere Möglichkeit, da ohne einen funktionierenden Eiskasten alle unsere Lebensmittel verderben und wir so nicht weiterreisen können. Glücklicherweise finden wir auch bald die Vertretung und diese haben sogar den genau gleichen Eiskasten-Typ an Lager. Da es mittlerweile schon 15.00 ist, entscheiden wir uns, nicht mehr nach Undara zu fahren da dieses immerhin über 200 km entfernt liegt. Somit fällt auch die Besichtigung der Undara-Fields (unterirdische Lavafelder) aus.

Nach 140 km und knapp zwei Stunden Fahrt durch abwechslungsreiche Landschaften mit roter ertragsreicher Erde, treffen wir in Chillagoe ein – unserem Übernachtungsort.

Es gibt hier viele Tropfsteinhöhlen und eine alte Smelter-Verarbeitungsanlage. Zuerst fahren wir zu dem „Balancing Stone“, einem ca. 4 m grossen Stein der auf einem anderen balanciert und den Anschein macht, als ob er beim nächsten Windstoss herunterfallen würde. Ein paar Fotos später fahren wir dann zu der Smelter-Anlage, wo sehr gut beschrieben und mit Fotos dokumentiert ist, wie es hier früher ausgesehen hat. Um 11.00 treffen dann Roland und Claudia ein und wir machen uns auf den Weg zu einer Führung in einer imposanten Tropfsteinhöhle. Nach einer 2-stündigen Führung im Kühlen setzen wir uns in unsere von der Sonne aufgeheizten Autos und fahren in das 94 km entfernte Dimbulah. Wir finden einen wunderschönen Campground mit sauberen Facilities und einer Grillstelle direkt an unserem Platz. Roland und Patrick machen ein Feuer um das Fleisch zu grillieren, während Claudia und ich die Salate zubereiten. Nach einem gemütlichen Nachtessen, wo wir uns u.a. natürlich einmal mehr über Roland’s Spässe und Stimmenimitationen halb kaputtlachen, gehen wir schlafen.

Ausgeruht und erholt starten wir in einen neuen Tag. Wir fahren zeitig ab, denn es erwartet uns heute eine ca. 250 km lange Route. Von Dimbulah geht es nach Mt. Mulligan und weiter über einen Pfad bis auf die Developmental, welche wir aber nach ca. 40 km bei Maitland Downs wieder verlassen, um den Weg nach Maytown einzuschlagen.

Hier haben in den 70iger Jahren des 19. Jahrhunderts bis 1945 etwa 15'000 Europäer und Chinesen gewohnt. Nach Ende des Goldrausches verfiel die Stadt und heute gibt es in dieser Gegend nur noch eine handvoll Goldgräber. Da die hiesigen Goldgräber nicht erfreut über Besucher sind, machen sie sich einen Spass daraus, die Wegweiser zu entfernen oder zu verdrehen. Aus diesem Grund kommen fast keine Besucher mehr her, da bei den sehr vielen vorhandenen Pfaden die Gefahr sehr gross ist, die Orientierung zu verlieren.

Laut unserer Karte sollte es hier in der Nähe auch ein Busch-Camp geben, welches wir aber nicht finden. Also beschliessen wir, in der näheren Umgebung einen passenden Platz für unser Zelt zu suchen. Wir entscheiden uns für einen der vielen Wege - obwohl wir nicht wissen wo er genau hinführt. Nach ca. 1 km treffen wir auf ein Schild: „Crossing is not recommended“.

Da der Weg bis jetzt einen guten Eindruck macht, fahren wir weiter. Nach weiteren 800 m und einem für Uebernachten nicht geeigneten Platz, diskutieren wir, ob wir dennoch weiterfahren oder umkehren sollen. Wir beschliessen es noch weitere 2 km zu versuchen. Um 16.45 – nach einem weiteren Kilometer im Schritttempo - kommt uns ein hinkender Mann winkend entgegen. Wir stoppen unsere Fahrzeuge und beraten via Funk über das weitere Vorgehen. Ist die Gegend hier doch nicht ganz ungefährlich aufgrund der dubiosen Gestalten die sich noch in der Gegend aufhalten. Es stellt sich heraus, dass dieser Mann tatsächlich Hilfe braucht. Er kann es kaum glauben, dass ihn hier jemand gefunden hat. In Tränen aufgelöst und zitternd berichtet er uns seine Geschichte:

Kenneth hatte am Mittwoch mit seinem Auto einen Unfall. Einen Tag und eine Nacht verbrachte er bei/in seinem Auto, in der Hoffnung, dass vielleicht jemand zur Hilfe kommt. Da diese nicht eintraf, machte er sich auf den Weg um Maytown zu suchen. Beim Überqueren der ersten Bergkette verlor er seinen Wasserkanister. Tapfer kämpfte er sich weiter, doch seine Kräfte nahmen immer mehr ab. Nach 2 kalten Nächten; drei Tagen bei 40 Grad und ca. 50 km Fussmarsch - ohne Wasser und Nahrung - konnte er nicht mehr weiter. Etwa 2 Stunden bevor wir ihn fanden, liess er sich hier - am Ende seiner Kräfte und völlig dehydriert - nieder.

Wir geben ihm Wasser und etwas Schokolade, damit er Flüssigkeit und etwas Zucker bekommt. Wir lösen unseren EPIRP Notfallsender aus, der ein Signal an die Rescue-Basis in Canberra sendet. Diese starten mit einem Helikopter und können den Sender orten. Wir versorgen Ken medizinisch, indem wir seine Wunden an den Füssen desinfizieren und verbinden; geben ihm Magnesium und Vitamine, da er Schmerzen und Krämpfe hat. Er berichtet uns, dass er eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat und zeigte uns ein Foto. Auf seiner Videokamera hatte er seiner Familie mitgeteilt, dass er nicht genau weiss wo er sich befindet und ob er es schaffen werde. Um 18.00 beginnt es langsam einzudunkeln, doch noch immer ist keine Hilfe in Sicht.

Pat und Roland machen ein Signalfeuer, falls der Helikopter doch noch kommen sollte. Um 20.30 hören wir von weitem ein Rattern und ein paar Minuten später haben wir die Gewissheit, dass unser Notsignal angekommen ist. Der Helikopter kreist ein paar Mal ziemlich hoch über uns und wir geben ihm SOS-Zeichen mit Taschenlampe und Autoscheinwerfer. Da wir uns auf einer kleinen mit Hügel und Bäume umgebenen Lichtung befinden, kann der Helikopter nicht landen und lässt einen Retter an der Winde herunter. Dieser wird von Roland sofort informiert was passiert ist. Wir verabschieden uns von Ken, welcher emotional völlig am Boden ist. Er und der Helfer von der Queensland Air Rescue werden um 21.00 an der Winde in den Helikopter hochgezogen und Ken wird ins Spital nach Cairns geflogen. Im Wissen, dass Ken nun in guten Händen und in Sicherheit ist, machen wir uns daran, das Chaos dass der Helikopter durch seinen Wind angerichtet hatte, wieder in Ordnung zu bringen. Fast hätte das Ganze einen Buschbrand ausgelöst. Obwohl wir unser Signalfeuer vorgängig gelöscht hatten, vermochten die Wirbel des Helikopters innert Sekunden das Feuer erneut zu entfachen und wir hatten kurzfristig etwas Sorge, dass es sich unkontrollierbar ausbreiten könnte. Das Feuer war aber innert Kürze unter Kontrolle.

Nach ein paar Stunden Schlaf sind wir alle früh wach. Auf der Videokamera von Ken (die wir noch mitsamt seiner Tasche bei uns haben) nehmen wir ein paar Grüsse für ihn auf und wünschen ihm alles Gute. Wir verlassen den Ort des Geschehens und machen uns auf die Suche nach dem Weg in Richtung Laura. Doch alles kommt wieder einmal anders als geplant. Auf der Suche nach dem richtigen Weg, hat Roland alle Hände voll zu tun. Zweimal muss er uns resp. unser Auto befreien. Das erste Mal stecken wir im Sand fest und die Seilwinde kommt erneut zum Einsatz.

Das zweite Mal ist dann schon etwas heikler. Pat ist mit dem linken Vorderrad vom Auto in einen etwa 70 cm tiefen Graben abgerutscht. Durch die Schräglage droht das Fahrzeug mit Pat und mir zu kippen. Nur durch die schnelle Reaktion von Claudia, die sich seitlich an unser Auto hängt, kann dies verhindert werden. Nachdem das Auto gesichert ist, können Pat und ich das Fahrzeug endlich verlassen. Mit dem High-Lift heben wir anschliessend das Fahrzeug an und unterlegen das Rad mit Steinen.

Danach können wir das Fahrzeug mit der Winde von Roland und seinem fahrerischen Können unversehrt aus dem Graben bergen. Nach diesem Schreck müssen wir zu allem Übel den Palmer River noch mal überqueren, da uns der eingeschlagene Weg nicht weiterführt. Nachdem wir etwa 2 Stunden auf allen möglichen Pfaden in Maytown umhergefahren sind, finden wir endlich einen Wegweiser nach Laura. Da dieser Weg relativ gut beschildert ist nehmen wir an, dass wir auf dem Richtigen sind. Doch schon bald müssen wir aufgrund der km-Anzeige eines Wegweisers feststellen, dass wir auf dem ca. 76km langen und schwerst befahrbaren Track gelandet sind. Da unser Tank durch die Reise am Vortag und das viele Umherfahren nur noch halbvoll ist, haben wir gar keine andere Möglichkeit als diese Route zu nehmen. Wir können es uns nicht leisten, nochmals unnötig Treibstoff zu verbrauchen um einen anderen Weg zu suchen. Schon kurze Zeit später muss sich Roland an einem Steilhang mit seiner Seilwinde heraufziehen. Weiter geht es über Stock und Stein und wir brauchen für die ersten 5 km etwa 1 ½ Stunden. Zwischendurch kommen wir von unserem Track ab, finden ihn aber glücklicherweise wieder.

Das Ganze ist für Patrick und Roland sehr anstrengend, sie müssen mit den Fahrzeugen richtig „zirkeln“. Nach etwa 10 km machen wir eine Verschnaufpause und nach 30 weiteren km wird der Track zu einem besser befahrbaren Pfad. Nach 6 ½ Stunden treffen wir mit unseren Autos wohlbehalten aber total erledigt und verschwitzt in Laura ein.

Nach einem kurzen Break in einer Bar bringen wir noch die Sachen von Ken zur hiesigen Polizeistation und erkundigen uns über dessen Befinden.

Nachdem wir tief und fest geschlafen haben, machen wir uns frühzeitig wieder einmal mehr auf den Weg nach Cairns. Hier statten wir der Queensland Air Rescue einen Besuch ab, da es uns interessiert wie so eine ganze Rettungsaktion „vom Auslösen des Notrufs bis zur Bergung“ abläuft. Als wir ihnen die ganze Story erzählt haben, rufen sie sofort die Cairns Post an um mitzuteilen, dass wir hier sind. Bis die Journalistin eintrifft zeigt man uns den Helikopter und erklärt uns, wie dieser ganze „Rettungsapparat“ funktioniert. Etwa eine halbe Stunde später trifft Fiona von der Cairns Post ein und macht mit uns ein Interview. Der Bericht wird morgen in der Zeitung erscheinen.

Kurz nach dem Aufstehen machte sich Pat auf den Weg in einen Zeitungsladen um die Cairns Post zu kaufen. Schon beim Eintreten wird er vom Zeitungsverkäufer erkannt. Als er einen Blick auf die Zeitung wirft, wird ihm dann auch sofort klar warum. Sind wir doch heute tatsächlich die Titelstory - mit grossem Bild von uns Vieren und namentlich erwähnt -  was uns dann doch ziemlich beeindruckt. So etwas kommt ja schliesslich nicht jeden Tag vor.



Voegu


gedruckt am Heute, 20:03
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