Kolumne
Grundsätzliches zur Fahrzeugauswahl
01.01.2004 - 17:32

Bitte beachten Sie: In diesem Artikel geht es nur um echte Expeditionsfahrzeuge! Für allgemeine Campingzwecke können Sie fast jedes ungeeignete Auto verwenden. Beispiele dafür sehen Sie in unbegrenzter Zahl während der Urlaubszeit. Bei unseren Empfehlungen handelt es sich nicht um hochwissenschaftliche Analysen, sondern um, im wahrsten Sinne des Wortes - Erfahrungswerte - beurteilt mit gesundem Menschenverstand.

Fahrzeugauswahl

Wenn Geld keine Rolle spielt, empfehlen wir bei den grossen Autos noch immer den Unimog und einen Kofferaufbau in vernünftiger Grösse. Als solche sehen wir eine max. Höhe von 3,2 m, eine Breite von 2,3 m und eine Länge bis 5,98 m an, da ab 6,0 m Länge die Fährpreise happig werden.

Für die Zivilisation können Sie natürlich jedes beliebige LKW-Fahrgestell nehmen und brauchen dafür nicht die extremen Geländeeigenschaften, die sehr in's Geld gehen. Diese grossen Fahrzeuge sind auch nur als Wohnmobil nutzbar, da ein Auf- und Abbau des Koffers eine grössere Sache ist. Alltagstauglichkeit ist nicht! Wunder dürfen Sie hier natürlich auch nicht erwarten. So ein mittlerer Unimog hat je nach Sonderausstattungen ein Gewicht von ca. 5 t ohne Kofferaufbau. Je nach Bauweise, Grösse und Hersteller wiegt so ein Koffer ca. 800 bis 1800 kg. Sie wollen vermutlich noch ca. 500 - 800 l Diesel und mindestens 200 l Trinkwasser mitnehmen. Dann brauchen Sie noch Kleidung, Nahrung, Ausrüstung, Reservereifen und all die netten schweren Dinge. Das war's dann wohl.

Es ist übrigens ein Märchen, dass LKW's keine Probleme mit zu hohem Gewicht haben. Über die Ursache diverser Schäden im Fahrwerksbereich sollten Sie mal nachdenken. Wenn so ein Fahrzeug 7,5 t wiegt, treten im Gelände Belastungen ohne weiteres bis zu 4 g auf, das bedeutet, 4 x 7,5 t = 30 t Stossbelastung auf Ihrem Fahrgestell. Auf der Teerstrasse haben Sie vielleicht mal 2 g im Normalbetrieb. Da sieht die Welt schon langlebiger aus!

Ein gutes Mittelding zwischen den grossen und den kleinen Fahrzeugen wie HZJ75 und Landrover 130 ist der BREMACH. Das Fahrzeug hat ein Leergewicht, je nach Ausstattung von ca. 2,1 t, ist zugelassen für 3,5 t, konstruiert und gebaut jedoch für 4,5 t. Nachdem der Verbrauch niedriger, die Ausrüstung, Reifen und alles etwas leichter ist, ergibt sich hier ca. die gleiche Nutzzuladung wie bei den grossen Brummern. Der Vorteil ist, man kann mit den PKW's mithalten, die hohe Reisegeschwindigkeit von bis zu ca. 130 km/h lässt einen nicht zum Hindernis für die anderen Verkehrsteilnehmer werden. In der Anschaffung, den Unterhalts- und Fährkosten liegen Sie nicht mehr direkt an der Schmerzgrenze. Auch beim Durchkommen ist der BREMACH wegen seiner kompakten Masse (geringfügig kleiner als der HZJ75) im Vorteil.

Im Fahrverhalten und in der Lautstärke liegt er unserem Gefühl nach gleichauf mit dem Landrover, hat aber für extremes Gelände den Vorteil der 9.00 - Reifengrösse. Auf Grund seiner vielen Getriebeabstufungen ist er hervorragend im Gelände, selbst im tiefsten Sand. Sinnvolle Kofferaufbauten für den BREMACH haben eine Breite zwischen 1,7 m - 2,10 m, die Länge liegt je nach Radstand zwischen 2,5 m und 3,5 m.

In die Kategorie der kleinen Expeditionsfahrzeuge fällt für uns die heavy-duty J7-Baureihe von Toyota und die Landies. Toyota HZJ75/79 Pickup / Station 75/78 Landrover Pickup 110 / 130 Der Mercedes G ist ein Sonderfall, er macht unserer Meinung nach nur Sinn, wenn Geld keine Rolle spielt. Sie bezahlen hier allerdings für den gleichen Gebrauchswert fast den doppelten Preis! Ab hier lässt unsere Begeisterung für die kleinen Autos nach.

Zu nennen sind jedoch noch die Pickup's: Mitsubishi, Nissan und Hilux, die jedoch für lange Reisen das Manko der zu geringen Zuladung und des mangelnden Hubraums haben. Die Klasse dieser kleinen Fahrzeuge hat den Vorteil, dass sie bei vernünftigen Kofferaufbauten auch noch als Alltagsauto genutzt werden können. Je nach Verwendungszweck empfehlen wir Kofferaufbauten zwischen 1,6 - 2,0 m Breite und einer Länge von 2,0 - 2,6 m. Die Kofferhöhe sollte bei max. 1,7 m liegen!

Erste Wahl bei den kleinen Fahrzeugen ist unserer Erfahrung nach der BREMACH und der HZJ75/79. Beide kann man noch mit Hammer und Meissel reparieren, Elektronik ist hier noch ein ziemliches Fremdwort und die Geländeeigenschaften sind überragend. Der BREMACH hat ca. 1,4 t mehr Zuladung als der HZJ75. Der HZJ75/79 ist dafür komfortabler und mit den Normalrädern leichter in einen Container zu bringen.

Die Zuverlässigkeit von beiden ist wirklich gut. Doppel- oder Einzelkabine, das hängt von der Zahl der Mitfahrer ab. Die meisten werden zu zweit fahren, dann sind Dokas unserer Meinung nach Platzverschwendung, Platz,der dann im Wohnaufbau fehlt. Es soll jedoch jeder nach seiner Facon selig werden! Ratschläge allgemein: Hubraum und Drehmoment sind durch nichts zu ersetzen. k.o.-Kriterium ist viel empfindliche Elektronik.

Ein Muss ist unserer Meinung nach Allrad mit Differentialsperren, zumindest hinten. Eine Geländereduktion sollte vorhanden sein! In extremen Fällen entscheidet die Zuverlässigkeit des Fahrzeuges über die eigene Langlebigkeit !

Böse Zungen auf der Fähre von Afrika G-Fahrer erzählen, wo sie überall n i c h t durchgekommen sind, Landyfahrer, wo es in Afrika die billigsten Ersatzteile gab und Toyofahrer, wo sie überall waren. Ein weiterer böser Spruch kursiert unter den Afrikafahrern: "Ein Landy ist nie ganz kaputt, aber auch nie ganz ganz." Trotz all dieser bösen Sprüche, die ja nur gutmütige Hänseleien sind, hängt die Auswahl des Fahrzeuges vor allem vom Verwendungszweck und den zur Verfügung stehenden Geldmitteln ab.

Der Landy hat natürlich ein sehr gutes Image, das vielleicht sogar aus dem Kindesalter kommt (Daktari darf nicht sterben?)! In jedem alten Wüstenschinken sehen Sie entweder Kamele oder etwas neuzeitlichere Landie´s durch die Gegend schaukeln.

Gehen Sie mal in sich - ob´s nicht daher kommt? Jetzt mit dem neuen HZJ79 ist endlich Schluss mit dem wenigen Sitzplatz in der Fahrgastzelle. Jetzt müssen nur noch die Landyfahrer faltbar sein. Details vom "Neuen" auf einer speziellen Seite. Auch Autos, die in unseren Augen nicht so toll geeignet sind, leisten mit guten Fahrern erstaunliches - und "Sie" sind natürlich ein guter Fahrer?

Bei der Wahl des Fahrzeuges ist es wie bei der Partnerwahl: "Es ist sehr teuer und ärgerlich, wenn Sie sich für den Falschen entschieden haben."

mit freundlichem Spott Euer Willy

... mit freundlicher Erlaubnis von Willy Enzinger (www.dustdevil.de )



Willy


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