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10. Reisebericht: Australien - Teil 1
01.04.2005 - 09:51

An alle interessierten Freunde

Fünf Wochen in Sydney sind überraschend schnell vergangen. In Manly, einem Vorort an der Küste, habe ich für 50 € eine gute Unterkunft mit Blick aufs Meer gefunden.
Sydney hat sich seit 1788 von einer Sträflingskolonie zu einer Metropole mit mehr als eine Mio. Einwohner entwickelt. Die Stadt kann und will seine britische Verbunden-heit nicht verbergen, ist gepflegt und weltoffen. Die Oper an der Einfahrt zum Hafen, ist auch nach 30 Jahren noch aufregend. Alle bekannten internationalen Firmen sowie die HQ der Mining Companies sind in den Hochhäusern der City vertreten.
Der Stadtteil Surrey Hills ist ein Beispiel für kosmopolitisches Zusammenleben. Auf einer Länge von vielleicht 300 m finden sich 10 Lokale mit unterschiedlichen Landesküchen, sogar eine nepalesische.
Der Containerfrachter der P & O Nedlloyd hat am 7.12., von San Franzisko kommend, nach vier Wochen auf hoher See, in Sydney angelegt. Nach dem Wochenende, Zoll und Quarantäne konnte ich am 13.12. in den Outback starten. Nach den ersten zehn m wurde ich freundlich daraufhingewiesen, in Australien wird links gefahren.

Reiseroute:Die Fläche Australiens entspricht in etwa der Fläche von USA ohne Alaska, hat allerdings nur 20 Mio. Einwohner. Zwei Drittel leben in den Städten an der Ost- und Südküste. Das Landesinnere mit den großen Wüsten ist nahezu unbewohnt.

Landkarte AustralienRoute entspricht 17.000 km Teerstraßen unbefestigt (rote Erde) Zunächst wollte ich an die Torres Strait, der Meerenge zwischen der Nordspitze von Cape York und Neuguinea. Rasch bin ich an der Küste über Brisbane, Mackay nach Cairns gefahren. Vorbei an tollen Stränden, Städte mit allen Services im Angebot und natürlich dem berühmten Barriere Riff. Für mich wasserscheuen Menschen eher zu erahnen als zu sehen.
Über Hunderte von km erstrecken sich monotone Zuckerrohrfelder unterbrochen von Mangoplantagen. Hinter Cairns ändert sich das Bild. Die unbefestigtre Straße windet sich in Küstennähe durch einen Regenwald. Die erste Aboriginal Community taucht auf, finstere Gestalten und leere Bierdosen auf den Strassen.

Das Wahrzeichen Australiens Das Wahrzeichen Australiens, Überall anzutreffen

Cooktown war für James Cook 1778 Ankerplatz, um sein Schiff nach einer Kollision mit dem Riff abzudichten, und war 100 Jahre später der Ausgangspunkt für den Palmer River Goldrush. Für mich ist es die letzte Möglichkeit, eine Wunde, die ich mir beim Holzhacken zugezogen habe, behandeln zu lassen und die Essensvorräte aufzufüllen.
Das Wetter ändert sich, die Regenzeit beginnt. Jeden Tag regnet es aus Kübeln. Die unbefestigte Strasse aus roter Erde wird weich, Brücken gibt es grundsätzlich nicht. Jede Bach- und Flussdurchquerung wird zur Wasser- und Schlammschlacht. Kurz hinter Coen, dem Hauptort mit ca. 150 Einwohnern und einer Polizeistation, ist es soweit. Der Archerriver mit seinem großen Einzugsgebiet ist sieben m über Normalstand. Unpassierbar und offiziell gesperrt. Innerlich murrend kehre ich um. Der Toyota gleicht mittlerweile mehr einer Schlammkugel als einem Auto.
Wenn schon nicht die Torres Strait, dann wenigstens auf dem Savannah Way von Cairns nach Broome in Westaustralien. Das Land ist topfeben. Es regnet weiterhin in Strömen, die Vegetation explodiert.

Termitenbau Termitenbauten, Lakefield NP auf Cape York Nach

Nach drei Tagen und ziemlich nass erreiche ich Normanton, die Hauptstadt der Region mit ca. 200 Einwohnern. Der Savannah Way ist ab Nomanton unbefestigt. Ich versuche die Fahrt trotz Verbotsschild fortzusetzen, nach 10 km versackt der Toyota hoffnungslos im Schlamm. Jetzt gibt es nur ein Ausweichen in den Süden nach Mount Isa, bekannt als eine der größten Kupferminen der Welt. Die Strasse wird wieder rauer, der Verkehr reduziert sch auf fünf Autos pro Tag, die Sonne brennt. Zu meiner großen Verwunderung wurde ich von unüberwindbaren Flüssen begleitet, sie fließen landeinwärts.
Nach 800 km erreiche ich Birdsville am Rande der Simpson Wüste. Hier beginnt der Birdsville Track. Bis vor 30 Jahren wurden die Rinder von den umliegenden Stations 500 km nach Marree zur nächsten Eisenbahnstation an der alten Ghan Linie getrieben. Mich haben die Wetterkapriolen in Marree stranden lassen.

Die vorstehende Reiseroute ergibt sich aufgrund der geographischen und meteorologischen Besonderheiten.
Australien ist am besten mit einem riesigen, flachen Trichter zu vergleichen. Am Rand gibt es den einen oder anderen Gebirgszug, ein zentrales Massiv fehlt. Ganz im Gegenteil, der tiefste Punkt liegt fast in der Mitte mit minus 16 Meter im Lake Eyre. Viele Flüsse entwässern deshalb ins Landessinnere, zum tiefsten Punkt.
In der Regenzeit (Wetseason) vom Dezember bis März regnet es insbesondere im Norden sehr ausgiebig. Die Niederschläge werden oft von den gefürchteten Cyclons begleitet. Ausläufer reichen bis zu den Rändern der zentralen Wüsten. Der Rest des Jahres ist meist niederschlagsfrei.
Beides führt zur grotesken Situation, dass das Land, auch im niederschlagsfreien Zentrum, entweder überschwemmt ist oder unter einer Dürre leidet.

Weiter in den Norden entlang der alten Ghan Eisenbahnlinie über Oodnadatta nach Alice Springs. Der erste und einzige Ort im Zentrum mit allen Services. Eine ganze Reihe von Reisebüros bieten Fahrten zu den umliegenden Parks an, insbesondere dem Ayers Rock. Der Toyota bekommt den ganz großen Service. Ich will auf alten Pisten durch die Gibson Wüste an die Westküste.
200 m hinter dem Ayers Rock ist die Welt wie abgeschnitten.

Katja_TjutaKata Tjuta
(gleich neben dem Ayers Rock)

Gravel Road, die Spritversorgung ist über 1.500 km nicht sicher. Docker River und Warburton sind die aggressivsten Aboriginal Communities, denen ich begegnet bin. Zwischen 11:00 und 17:00 steht das Thermometer wie zementiert bei 45 Grad C, die Hitze macht mir zu schaffen.

Irgendwo in dieser Gegend haben die Briten, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg Atombombenversuche gezündet. Ein klammes Gefühl steigt in mir hoch. Berichte über Folgen und genaue Ortsangaben der Tests gibt es natürlich nicht. Hoffentlich hat die Halbwertszeit die Radioaktivität vernichtet oder zumindest stark reduziert. Die Beobachtungs- und Messstation ist heute eine Meteorologische Warte.

Der legendäre Gunbarrel HWY endet schließlich in Carnegie Station, wo ich mich für zwei Wochen wie im Paradies fühle. Über Wiluna, einer alten Goldmine und großen Aboriginal Community, fahre ich nach Newman in das Zentrum des Eisenerzabbaus.
Broome verdankt seine Existenz den Perlen. Japanische Taucher haben hier um 1890 diese Industrie gegründet. Die Hitze wird hier von hoher Luftfeuchtigkeit abgelöst. Der Gibb River Road führt durch das wilde Herz von Kimberley. Ab dem Roadhouse Mt. Barnett, nach 350 km, ist die Straße wieder gesperrt. Zurück auf den Great Northern HWY nach Halls Creek. Hier hat in 1883 der erste Goldrush in Westaustralien stattgefunden. Die Diamantenmine Argyle, die größte ihrer Art in der Welt, ist durch die Abraumhalden nicht zu übersehen.
Nach 7 Wochen aufregendes Westaustralien erreiche ich bei Kununurra wieder das Northern Territory. Ich will nach Darwin, um den nächsten Container zu organisieren. In Pine Creek ist wieder einmal Schluss. Ein Cyclon mit sehr hohen Windge-schwindigkeiten tobt 200 km nördlich von Darwin über der Coburg Halbinsel.
Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei, der Cyclon ist in die Richtung Timorsee abgedriftet. Jetzt kann ich mich ganz der Frage widmen, verschiffe ich den Toyota nach Afrika oder Indien? Beide Routen sind leicht anspruchsvoll.
Unter Abwägung der Risiken und der Anzahl der nervigen Grenzübergänge habe ich mich für Indien entschieden.

Galvan George Galvan George, im Herzen von Kimberley Heimat vieler Aboriginal Communities

Aboriginal Peoples, die UreinwohnerAustraliens.
An der schwarzen Hautfarbe und dem gewöhnungsbedürftigen Aussehen sind sie leicht zu erkennen. Sie leben orts- und stammesgebunden in den Städten und auf dem flachen Land. Sie ernähren sich von dem, was das Land hergibt. So habe ich eine Familie bei Katherine erlebt, die für die 5 Kinder einen Lizard ( 50 cm lange Echse) und für sich gefangene Fische im offenen Holzfeuer gebraten haben. Im Auto waren Fleischstücke eines überfahrenen Rindes, es hat zumindest sehr danach gerochen.

Der letzte Aboriginalstamm hat sein Leben im Steinzeitalter, 300 km nordöstlich der Carnegie Station in der Gibson Wüste, erst in 1964 aufgegeben. 1958 hatten sie den ersten Kontakt mit Weißen. Derzeit leben ca. 300.000 in Communities über das ganze Land verstreut.

Aboriginal FrauAboriginal Frau, die Dauerwelle ist ein Jahr alt

Alle tragen sie mittlerweile westliche Kleidung, die Frauen bunte, knielange Kleider und Röcke. Die dünnen Beine stecken entweder in einfachen Sandalen, oder sie laufen barfuss. Viele kennen keinen Kamm. Die Frauen sind nicht gleichberechtigt, mit 15 oder früher bekommen sie das erste von vielen weiteren Babys.
Sie wurden in den letzten 200 Jahren von den weißen Einwanderern verfolgt und diskriminiert. Vor ca. 30 Jahren begann ein Umdenken. Damals wurden zum ersten Mal Land an einen Stamm zurückgegeben. Mittels alter Zeichnungen auf Baumrin-den wurde der Nachweis der einstigen Eigentümerschaft erbracht. Seit dem wurden große Landstriche zurückgegeben. Leider muss man für den Transit dieser Gebiete eine Genehmigung einholen oder manche Gebiete sind grundsätzlich gesperrt. Die Blutrache (Payback) ist an der Tagesordnung. Während meiner Anwesenheit im Kimberley wurde ein 17jähriges Mädchen bei 100 kmh vom Wagen gestoßen, um den Tod eines Babys zu sühnen. Das Baby ist bei einem Unfall gestorben, das Mädchen hatte die Aufsichtspflicht. Kein Mensch weiß mittlerweile, was sich sonst noch in diesen Gebieten abspielt.
Die gutgemeinten, zum Teil mit Gewalt durchgesetzten, Integrationsbemühungen sind damit offiziell gescheitert.
Heute arbeitet eine sehr dünne intelligente Schicht als Anwälte in den Großstädten, um erfolgreich Landansprüche durchzusetzen. Weitere 5-10 % haben einen Schulabschluss und arbeiten. Es gibt keine Schulpflicht. Die Teilnahme am Unterricht liegt im Ermessen der Kinder.

Aboriginal People Aboriginal... ...hoffentlich schafft es der hoffnungsvolle Nachwuchs ohne Alkohol und schnüffeln auszukommen

Die Mehrheit lehnt jede Arbeit ab und lebt in den Tag hinein. Der 14tägige Sozialscheck über 600 Aus $ wird für das Sauberhalten von Haus und Hof bezahlt. Für auf Aboriginalgebiet gefundene Bodenschätze werden erhebliche Royalties bezahlt.
Das Geld wird sofort in Alkohol umgesetzt, zum Leben in der Familie bleibt wenig. . Wenn kein Alkohol vorhanden ist, wird Benzin geschnüffelt. Das führt zur grotesken Situation, dass entweder die Zapfstellen vergittert sind oder nur Diesel angeboten wird. So habe ich es an der Great Central Road in Docker River und Warburton gesehen.
Heute leben die Aboriginal und die Weißen eher nebeneinander als miteinander. Die finanziellen Zuwendungen seitens der Regierung sind großzügig. Was bleibt und wofür es keine Lösung gibt, ist der unmäßige Alkoholkonsum und/oder das Benzinschnüffeln. Die australische Wirtschaft ist derzeit stark genug, die notwendigen Steuern abzuführen.

Infrastruktur, das Rückgrat für eine florierende Wirtschaft.

Trotz der Größe des Landes und der geringen Besiedelungsdichte kann sich die Infrastruktur sehen lassen. In Küstennähe führt eine Ringstraße um den ganzen Kontinent und eine Nord-Süd-Durchquerung verbindet Adelaide mit Darwin. Diese Straßen sind an der Ostküste autobahnähnlich ansonsten entsprechen sie unseren Bundesstraßen. Viele Flüsse sind überbrückt, trotzdem kommt es in der Regenzeit zu erheblichen, verkehrshinderlichen Überflutungen.
Die Städte und größeren Orte sind mittels befestigten Straßen angebunden. Der große Rest sind Trassen auf roter Erde, in der Regenzeit gesperrt und unbefahrbar. Road Trains, riesige Zugmaschinen mit bis zu vier Anhängern und einer Gesamt-länge von bis zu 56 m fahren überall im Lande. Sie befördern in erster Linie Rohstoffe und Cattle.
Roadhouses mit Tankstellen, einfachen Restaurants und Übernachtungsmöglich-keiten, bilden das Rückgrat. In entlegenen Gebieten kann eine Bevorratung über 1.000 km und ein Allradfahrzeug notwendig werden. Ein Beispiel dafür ist der Gunbarrel HWY.

Dieser HWY wurde 1958 von Len Baedell und seiner Mannschaft gebaut. Er beginnt an der Jackie Junction und endet bei der Cattle Station Carnegie, mit einer Gesamtlänge von 650 km. Es war die erste Ost-West Route am Südrand der Gibson Wüste. Das Ganze mit einem 6-Mann Team. Len hat mit großem Einsatz und Qualen (Wassermangel) die Route festgelegt. Mit seinem Land Rover ist er in dieses unbekannte Gebiet vorgedrungen und hat den Standort mittels Sextanten festgelegt. Dem Bulldozerfahrer hat er mit einem Spiegel Blinkzeichen für die Richtung vorgegeben. Der Graderfahrer hat die Straße eingeebnet, der cherry picker die letzten Steine beiseite geräumt. Ein weiterer Kollege war für die Treibstofflogistik zuständig, und der wichtigste Mann schließlich war der Koch. Auf einer Anhöhe, halb des Weges, erinnert ein kleines Denkmal an diese außergewöhnliche Leistung.

Gunbarrel Gunbarrelein HWY der anderen Art

Mittlerweile liegt die Straße zur Hälfte in Aboriginalgebiet. Die Genehmigung zur Befahrung habe ich in Alice Springs mit Auflagen erhalten.
Der Gunbarrel HWY führt durch eine Wüstengartenschau. Bis zu 40 cm hohe Kakteenpolster in den Farben graugrün bis senffarbig. Die rote Erde unterstreicht diese stacheligen Schönheiten. Streckenweise grüne Büsche, dann wieder verdorrte und von der Hitze nach oben zusammengebogene.

Die Eisenbahn reduziert sich auf eine Linie an der Ostküste bis nach Cairns und eine quer durch das Land von Adelaide nach Darwin. Personenverkehr spielt kaum eine Rolle. Das wichtigste Verkehrsmittel für die Remote Stationen ist das Flugzeug. In den noch so entlegenen Gebieten befinden sich Air Stripes, um z.B. den Flying Doctor schnell einfliegen zu können.
Von den ehemaligen Kamelkarawanen, die etwa bis 1930 alle entlegenen Gebiete versorgt haben, gibt es nur noch die Gräber der afghanischen Kamelführer und die verwilderten Kamele. Sie werden mittlerweile zu Tausenden in die arabischen Länder verkauft.

Cattle Stations, am Beispiel Carnegie

Die Cattle Stations repräsentieren die Wirtschaft der ersten Stunde. Im Grunde ist alles nutzbares Land in Stations aufgeteilt.
Die Carnegie liegt am Ende des Gunbarrel HWY und am Rande der Gibson Desert. Sie trägt den Namen des Explorers, der 1895 mit 25 Jahren als erster die Great Sandy Desert durchquert hat. Der nächste einfache Generalstore liegt 350 km entfernt im Westen. Die Post kommt einmal pro Woche und versorgt mit dem Notwendigsten. Cattle sind unglaublich robusteTiere: Bei 49 Grad C mit den Kälbern den ganzen Tag in der Sonne.

Satellitenkommunikation ist für die Remote Cattle Stations mittlerweile Standard geworden (Telefon und Internet). Für die schulpflichtigen Kinder wird um die Mittagszeit ein interaktiver Unterricht durchgeführt. Alle Stationen in einer Region mit der Größe Deutschlands werden von einem Lehrer bedient. Ich war schon etwas überrascht, in dieser Gegend einen gut ausgebauten Internetarbeitsplatz zu sehen.
Carnegie hat aufgrund seiner exponierten Lage den Status einer Homesteadt, auch für arme Reisende wie mich. Zwei Wochen habe ich in dieser einzigartigen Umgebung verbracht. Die Station gehört Fay und Ian Smith. Einige Mitarbeiter helfen bei der täglichen Arbeit. Die Arbeitszeit beginnt um 5:30 und endet mit Sonnenuntergang. Sonntag ist frei. Auf einer Mio. Acres leben 5.000 Cattle. Es gibt kein Oberflächenwasser, das Land ist knochentrocken. Vor einem Jahr hat es das letzte Mal geregnet. Die ohnehin karge Weide wird noch karger. Nur das Wasser für die Tränke ist noch gesichert. Aus 50 Bohrlöchern wird mittels Windrädern das notwendige Nass in die Tanks gepumpt. Jeden dritten Tag werden alle Wasserstellen überprüft, eine 200 km Rundfahrt auf eigenem Gebiet. Sich erneuerndes Grundwasser ist genug vorhanden. Ian verfügt über eine eigene Bohranlage, ich durfte eine Probebohrung miterleben.

Carnagie DrillNach einer Schlammflut kam leider nur salziges Wasser

Ian wird von Tag zu Tag nervöser. Er muss die ersten Cattle auf andere ’Weiden’ bringen. Er hofft auf den erlösenden Cyclon, der den notwendigen Regen bringen soll. Um die Vegetation zu schützen, erschießt er alle verwilderten Kamele und Pferde auf seinem Gebiet. Zugegeben, ich war leicht erschrocken als er sein Gewehr mit Zielfernrohr anlegte. An einem Wasserloch liegt ein verendetes Kamel. Ian drückt mir das Ende einer Kette in die Hand und gibt mir wortlos zu verstehen, ich solle das Kamel anbinden. Irgendwie schlang ich die Kette um ein Hinterbein. Zu meinen Entsetzen hebt das Tier den Kopf. Ian nimmt seinen großkalibrigen Colt und gib dem Tier den Gnadenschuss. Er schleift das tote Tier 100 m auf eine kleine Anhöhe, um das Wasser vor Verschmutzung zu schützen.
Trotz aller Umstände werde ich anlässlich meines 60. Geburtstag zu einem Abend-essen eingeladen. Ein ganz besonderes Erlebnis.
Vor fünf Wochen habe ich Station verlassen, es hat immer noch nicht geregnet.

Bodenschätze, eine sehr profitable, zukunftsorientierte und global ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung.

Zu diesem Thema kennt Australien nur Superlative. Allein auf meiner Route liegen: Weipa größte Bauxitmine w/w, Mount Isa zweitgrößte Kupfermine w/w, Newman und Panawonica größte Eisenerzminen w/w, Argyle größte Diamantenmine w/w, Offshore Offshore Gasfelder unbekannten Ausmaßes vor Karratha, sehr große Uran und Bauxitminen bei Darwin. Und viele kleine Goldminen.

Neugierig folge ich einem kleinen Schild und lande in Pannawonica. Hier leben 750 Menschen, einziger Arbeitgeber ist die Eisenerzmine. Die Infrastruktur von der Bibliothek bis zur Schule ist perfekt. Einziger Haken, es ist 49,5 Grad C heiß. Meine Empfindungen und Beobachtungen waren:

Gänsehaut am ganzen Körper, Schlafstörungen mit Angstzuständen, unentwegt trinken um Dehydrierung zu vermeiden, jeder noch so spärliche Schatten wird genutzt, ständiges Beobachten des Thermometers, die Karosserie ist zum Verbrennen heiß, langsame Bewegungen, Hut als Schutz vor Sonnenstich, der Kühlschrank arbeitet unentwegt, das Grundwasser in 60 m Tiefe ist lauwarm, das Brillenputztuch ist nach einem Glas trocken, der einzig zuverlässige Schatten ist die Nacht, die Kamera wird vor dem Fotografieren in der Hand gekühlt.

Die Eisenerzmine wird im Tagebau genutzt, die üblichen riesigen Schaufelbagger und Muldenkipper von Caterpillar und Komatsu arbeiten 24 Stunden an 7 Tagen. In einer 12 Stundenschicht werden 100.000 Tonnen mit einem Reinheitsgrad von 60 % gefördert. Ein Muldenkipper fasst 190 Tonnen, einen Baggerschaufel 35 Tonnen.

Pannawonica Pannawonica Train 7 x 24 an 365 Tagen

 

 

 

 

 

Probebohrungen haben ergeben, dass es genügend Ressourcen für die nächsten 300 Jahre bei gleichbleibender Abbaugeschwindigkeit gibt.
Karratha ist der Hafen für eine gigantische Erzverladung und Verschiffung. Auf einem eigenen Schienennetz wird das Erz an die Terminals gebracht. Auch hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Beladung eines 180.000 t Frachters dauert 36 Stunden. Sechs weitere Frachter liegen auf Rede.
Die Zielhäfen sind in China, Japan, Korea und USA. Das hier gewonnene Erz ist billiger als vergleichsweise aus Brasilien.
Rio Tinto, mit HQ in London, ist der Owner dieser Operation. Der Gewinn nach Steuern der letzten 6 Monate lag bei 2,8 Milliarden austr. Dollar.

Die Argyle Mine liegt in der Nordostecke von Westaustralien in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Stausees. Die Verbotsschilder umgehend bin ich immerhin an der großen, bewachten Schranke gelandet. Eine Besichtigung wurde mir verwehrt, alles sehr geheim. Dennoch konnte ich einige Infos zusammentragen.
Die ersten Diamanten wurden 1979 gefunden. Die jetzige Mine arbeitet seit Dezember 1985 und ist mittlerweile die größte Diamantenmine der Welt, durch die seltenen, rosafarbenen Diamanten bekannt. 750 Mitarbeiter sind unter Vertrag und wohnen in klimatisierten Containern.
Das geschürfte Loch ist 2 km lang, 1 km breit, 450 m tief. Dafür mussten 80 Mio. Tonnen Felsen bewegt werden. Nach einer umfangreichen Aufbereitung mit Hilfe von Röntgenstrahlentechnologie werden im Jahr 6-7 Tonnen Diamanten gewonnen. Wie bereits Pannawonica, gehört auch diese Mine zur Rio Tinto Gruppe.
Schöne Diamanten werden in den einschlägigen Geschäften in Kununurra, dem nächstgelegnen Ort, angeboten.

Nahezu täglich werden neue Bodenschätze entdeckt. Kontrakte zur gemeinsamen Nutzung gibt es mittlerweile mit China, Kanada und neuerdings mit der Schweiz. Die USA und Japan liefern die technische Ausrüstung. Von D ist weit und breit nichts zu sehen.

Deutsche in Australien, mehr präsent als üblich bekannt

Ludwig Leichardt war ein Explorer der ersten Stunde. 1844 durchquerte er mit seinem Team als erster den Kontinent von Brisbane nach Port Essington, nördlich von Darwin. Er taucht leider nur selten in der einschlägigen Literatur auf.
Bereits 1880 war die protestantische Mission in Hermannsburg, südwestlich von Alice Springs, in dem für damalige Zeit entlegendsten Gebiet Australiens, tätig. Die erfolgreiche Missionstätigkeit wurde 1960 mit der Rückgabe der Gebiete an die Aboriginal beendet. Die Gebäude sind noch gut erhalten und original eingerichtet.
Im Südaustralien wird seit Generationen erfolgreich Wein angebaut. Alle haben keine Beziehung mehr zu Deutschland. Die deutsche Sprache ist fremd geworden.
Die wirtschaftlichen Verbindungen mit Deutschland sind grundsätzlich ausbaufähig. In den großen Städten sind BMWs zu sehen, gefolgt von alten Mercedes Modellen und einigen Volkswagen Typen. Auf dem flachen Lande ist ab und wann eine Kettensäge von Stihl zu sehen. Ganz anders beim Tourismus: Jeder zweite Rental Camper war mit Deutschen besetzt. Die Begegnungen mit den Landsleuten waren teilweise recht herzlich, der größere Rest hat sich vornehm zurückgehalten (kommunikationsunwillig). Mit unserem deutschen Kennzeichen waren wir immer leicht zu identifizieren.

Aktuelle Politik, vom Realismus geprägt

Vor fünf Jahren wurde ein Referendum zur Wandlung in eine unabhängige Republik abgelehnt. Australien gehört somit weiterhin zum Commonwealth, die englische Königin ist das formale Oberhaupt und die außenpolitischen Entscheidungen sind abzustimmen. Im Verteidigungsfall verlässt sich Australien auf USA. Das erklärt z.T. die Teilnahme am Irakkrieg.
Die Einwanderungspolitik ist restriktiv. So muss z.B. jeder deutsche Tourist ein Visum beantragen. Die Angst vor Wirtschaftsflüchtlingen und weiteren Sozialhilfe-empfängern ist groß. Das Land wird politisch geschützt. Dieses Verhalten ist mir allemal lieber als eine vereinfachte Visumvergabe.
Der Australier geht dahin, wo er arbeitet findet und das bis ins hohe Alter. Ich habe keinen getroffen, der länger als fünf Jahre am selben Ort war. Angeboten werden in erster Linie handwerklich orientierte Jobs, und das in rauen Mengen. Die Fähigkeit zu weitgehender Improvisation wird erwartet. Die Ansprüche im Bezug auf Essen und Wohnen sind weit hinter unseren Erwartungen. Standesunterschiede gibt es kaum.
Mit vielen Menschen habe ich mich ernsthaft unterhalten. Sie sind mir ausnahmslos unvoreingenommen, auskunftsfreudig und freundlich begegnet.
Ich habe mich hier, am anderen Ende der Welt und in einer europäisch geprägten Kultur, sehr wohl gefühlt.

Das junge Australien, der Nachfolger des alten Europas?

Gerhard



Gerhard


gedruckt am Heute, 13:46
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