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Giftiger Kontinent: Bericht aus Downunder
12.01.2005 - 20:36

Weltreise mit Irene und Gregor

Wir sind nicht die einzigen am Uluru (Ayers Rock)... In Alice Springs angekommen, der einzigen Stadt von erwähnenswerter Größe im Outback, befanden wir uns endlich an dem Ort, den wir schon immer kennen lernen wollten, seit wir den Film „Priscilla – Königin der Wüste“ gesehen hatten. Alice, das nach der Frau eines ehemaligen Aufsichtsbeamten für das Telegrafenwesen benannt ist, war das Ziel der Protagonisten des Films und wir fühlten uns gleich vertraut mit diesem gelassenen Städtchen, das 27.000 Einwohner beherbergt.

Schnell entdeckten wir das Cafe Dopios, das leckere und gesunde mediterrane Gerichte anbietet und nach unserem ersten Besuch wussten wir, hier würden wir einen großen Teil der folgenden Tage verbringen. Aber da hatte wir uns zu früh gefreut. Als wir Samstag Nachmittag um viertel vor eins bei Dopios eintrudelten, wurde das Restaurant gerade geschlossen – eine für Australien eher untypische Ladenschlusszeit. Am folgenden Montag verriegelte eine Mitarbeiterin des Cafés die Türen um 16:30 Uhr, direkt vor unserer Nase. Einen Tag später – diesmal waren wir unserer Sache ganz sicher – entnahmen wir einem Zettel an der Tür, dass Dopios wegen des einmal jährlich (!) stattfindenden Frühjahrsputzes heute ausnahmsweise ... Es sollte wohl nicht sein.

Frustriert begaben wir uns ins Kino und wurden gleich entschädigt. „Welcome to Alice Springs“ begrüßte uns der Schriftzug, der vor der Werbung eingeblendet wird, und wir fühlten uns sehr willkommen. Wir staunten nicht schlecht, dass hier, sozusagen mitten in der Wüste, täglich bis zu sieben aktuelle Filme gezeigt werden, was für eine Stadt dieser Größenordnung recht ungewöhnlich ist. Als Cineasten fühlen wir uns in Australien generell wohl, denn neben den aus Europa und Amerika importierten Filmen existiert eine breite, eigene Filmkultur (aus der Filme wie „Muriel's Hochzeit“, „Priscilla“ und „Strictly Ballroom“ auch in Deutschland bekannt geworden sind).

Anschließend gingen wir im Supermarkt einkaufen und entdeckten zufällig eine echte Neuheit: Zielgruppenorientierte Lebensmittel. „Für die Frau ab vierzig“ stand auf einer Müslipackung. Sind da vielleicht Hormone drin? Wir mussten kräftig lachen und stellten uns vor, was wohl passiert, wenn ein junger Mann das Müsli isst.

”Priscilla”, UNSERE Königin der WüsteZurück auf unserem Campingplatz erlebten wir am nächsten Morgen ein Frühstücks-Highlight: Die Platzbetreiber organisieren für ihre Gäste jeden Sonntag ein „Pancake Breakfast“, ein Pfannkuchen-Frühstück. Wer Irene kennt, weiß, dass es da kein Halten mehr gibt und wir begaben uns guten und hungrigen Mutes pünktlichst dorthin. Jeder Gast bekam einen Bapperl, auf dem der eigene Name und das Herkunftsland, respektive die Herkunftsstadt (für Australier, die auch sehr gern und lange im eigenen Lande reisen), angegeben waren. Wir lernten Carl kennen, der laut Namensschild aus Indien stammte, was uns sofort auffiel und neugierig machte, der in Wahrheit jedoch aus England kam. Da er seit mehreren Wochen auf dem Campingplatz lebte, fand er es zu langweilig, jede Woche dasselbe Schild zu tragen, so dass er sich immer etwas Neues einfallen ließ. Carl ist Bäcker und mit seiner als Küchenchefin arbeitenden Freundin unterwegs. Wie wir schon früher festgestellt hatten, scheint es ein paar ideale Reiseberufe zu geben, wie eben Bäcker oder Koch, aber auch Mechaniker, Arzt und Krankenpfleger. Sie finden auf Reisen leicht eine Beschäftigung, um ihr Budget wieder aufzustocken. Carl gab uns noch den Tipp, im Kakadu National Park unbedingt eine Bootstour auf dem Yellow River zu machen, allerdings auf jeden Fall die frühe Tour um sieben Uhr morgens!

Ein "Ureinwohner" im Outback - der DornenteufelIn Alice Springs begegneten wir auch wieder Aborigenes, von denen sich viele bereits früh dem Alkohol ergaben. Wir hatten das bereits in Coober Pedy beobachtet und nun auch hier in Alice Springs. Wir erfuhren, dass der Umgang zwischen „schwarzen“ und „weißen“ Australiern nach wie vor keineswegs unproblematisch ist, zumal hier komplett unterschiedliche Wertesysteme kollidieren. Während die meisten weißen Australier unserem westlich ausgerichteten Wertesystem anhängen, werden die Aborigenes von einem, in unseren Augen, mystischen System geleitet, das sehr stark an der Integration des Menschen in die Natur ausgerichtet ist. Insofern fällt es den Aborigenes schwer, in der modernen Umwelt, in der sie sich plötzlich - ob sie wollen, oder nicht - befinden, zurechtzukommen. Ihr eigenes Wertesystem hat Jahrtausende funktioniert und wurde erst durch die Konfrontation mit weißen Siedlern in Frage gestellt. In den Anfängen weißer Besiedelung Australiens wurden Aborigenes als minderwertig angesehen und teilweise wie Vieh gejagt. Um die Ureinwohner besser in die Gesellschaft zu integrieren, wurden später viele junge Aborigenes ihren Eltern weggenommen und von den Behörden in staatliche Einrichtungen zwangseingeschult. Im Verlauf der Zeit verloren sie auf diese Art ihre Wurzeln und damit auch die Orientierung, zumal die Natur, in der sie lebten, mehr und mehr von den Weißen in Beschlag genommen wurde und ihnen so ihre Lebensgrundlage entzogen wurde.

Nach wie vor versuchen manche weiße Australier, sich die fremde Kultur vom Leibe zu halten. Da es in Zeiten politischer Korrektheit nicht möglich ist, Aborigenes explizit den Eintritt in Geschäfte zu verbieten, werden subtil Schilder mit Dresscodes angebracht, die gepflegte Kleidung oder das Tragen von Schuhen vorschreiben. Da Aborigenes selten diese Voraussetzungen erfüllen, ist ihnen damit praktisch der Eintritt in diese Läden verwehrt. Wir dagegen durften trotz Sandalenverbot mit unseren Schlappen die Geschäfte betreten.

Als herumreisende Touris kamen wir so gut wie nie mit Aborigenes in Kontakt und erfuhren über ihr traditionelles Leben nur durch ein Anfang des 20. Jahrhunderts von einer weißen Siedlerin veröffentlichtes Buch, in dem sie ihr Zusammenleben mit Aborigenes beschreibt. Die schwarzen Ureinwohner waren auf der Farm von der Autorin, Jeannie Gunn, beschäftigt, die das Aufeinanderprallen der beiden Kulturen liebevoll und minutiös beschreibt (GUNN, Äneas (1905): Little Black Princess (Kleine schwarze Prinzessin)). Bekannter wurde die Autorin durch ihr 1908 erschienenes Buch "We of the Never-Never" (Wir aus dem Niemals-Niemals), in dem sie das Leben der weißen Siedler in der Wildnis beschreibt. Das Buch und der gleichnamige Film sind in Australien recht bekannt geworden, ich hingegen fand den unbekannteren Band über die schwarze Prinzessin wesentlich interessanter.

Python mal hautnahAn unserem vorletzten Tag in Alice gönnten wir uns noch etwas ganz Besonderes: Die anfangs erwähnte Schau im Reptilienpark. Neben einer Auswahl von Schlangen stellte uns eine Mitarbeiterin in einer sehr informativen und witzig gemachten Veranstaltung verschiedene Echsen und ihre Verhaltensweisen vor, darunter beispielsweise den Dornteufel sowie den „Bearded Dragon“, den Blauzungenskink etc. Außerdem erfuhren wir, dass bei 3.000 Schlangenbissen in Australien pro Jahr nur in 300 Fällen Gift injiziert wird – wir hoffen, dass das die Schlangen, denen wir potentiell noch begegnen werden, wissen und uns mit ihrem kostbaren Gift verschonen.

Höhepunkt war die Abschlussvorstellung mit einer drei Meter langen Python. Alle Gäste der Veranstaltung wurden gebeten, sich im Kreis aufzustellen. Dann legte die Moderatorin das Riesenvieh dem ersten Gast um die Schultern, das sich dann von Besucher zu Besucher weiterschlängelte. Mann oh Mann, wenn man die Muskeln am eigenen Hals spürt, kann man sich gut vorstellen, dass mit einer hungrigen Python keineswegs zu spaßen ist. Dies bewies auch ein Foto im Reptilienpark, das einen Menschen zeigte, der in Südamerika im Magen einer Python entdeckt wurde. Diagnose: Nichts mehr zu machen. Es war kein schöner Anblick.

Weltreise mit Irene und Gregor

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Irene und Gregor


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