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Geburtstag in der Sahara
15.03.2006 - 12:13

Unser Tochter hatte den (nicht ganz) ernstgemeinten Wunsch, ihren nächsten Geburtstag mit Roter Grütze und Sahne in der Sahara feiern zu wollen. - Da wir in der großen Gemeinschaft der OffRoad-Fahrer sind, haben wir kurzerhand alle Freunde ihrem Geburtstag in die Sahara eingeladen. Und der harte Freundeskreis hatte nichts besseres zu tun, als diese Einladung ernsthaft entgegen zu nehmen. Nun waren es 22 Personen in 11 Geländewagen, die sich auf den Weg nach Genua zur Fähre machten.

Die Anreise:

Einige fuhren schon Donnerstag, einige am Freitagmorgen und wir konnten erst starten, nachdem unsere kleine Tochter aus der Schule kam. Per Vollgas, das bedeutet bei einem vollbepackten LandRover ca. 115 Km/h fuhren wir über Bregenz, vorbei an der Schlucht Via Mala, durch den St. Bernadino Tunnel und waren um 0:30 in Italien. Am Morgen hatten wir Besuch bekommen. 2 weitere OffRoader standen neben uns am Parkplatz und genossen den blutroten Morgen. Ein Anruf per Handy sagte uns, dass unsere große Tochter mit 2 weiteren OffRoadern am Lago Maggiore frühstückte. Bis zum Lago Maggiore waren es auf unserer Landkarte nur 7 cm und kurz darauf waren auch wir dort. Mit 6 Autos ging es gemeinsam weiter Richtung Süden. Beim Tankstop trafen wir dann auch noch die restliche Truppe. Im Konvoi erreichten wir pünktlich Genua.

Die Hafeneinfahrt von Genua zu finden ist – insbesondere unter Berücksichtigung von 9 Fahrzeugen doch etwas problematisch. So haben wir uns dann auch prompt verfahren, sind mehrere Kilometer in die falsche Richtung gefahren, haben verkehrswidrig gewendet und uns durch die Armada von Motorrollerfahrern gebahnt.

Wir starteten in Italien auf einem französischen Schiff mit tunesischer Besatzung. Was das bedeutete, merkten wir am Chaos bei der Einschiffung. 24 Stunden am Deck. Davon haben wir 4 ½ Stunden in verschiedenen Warteschlangen gestanden, um alle überbürokratisierten Stempel zu bekommen.

Zwei von uns haben diese Strapaze einfach ignoriert. Bei der Ausschiffung nach dem Stempel gefragt hat Einer einfach gesagt „hab ich nicht“ und wurde nach heftigem Wortwechsel (verstand eh keiner den anderen) durchgelassen. Der Zweite hatte sich einen Scout genommen der ihm versprochen hat, dass er ihn gegen Bezahlung von 50,-- DM durch den Zoll schleust. So war es denn auch.

Warteschlange der Geländewagen im Hafen von GenuaDie Einfahrt auf das Schiff muss man sich so vorstellen. Erst stehen alle Autos in 4er Reihen gut geordnet hinter- und nebeneinander. Dann geht es ins Nadelöhr des Schiffbugs. Mitunter waren es Millimeter, die Stoßstange von Kotflügel trennte.

Die Ursache ist schnell erklärt. Erst müssen natürlich die LKW`s ins Unterdeck. Dann wird runter gelassen, und die PKW müssen ins schmale Zwischendeck. Dann wieder die Autos mit Dachaufbauten über 2,20 cm.... und so weiter. Da aber jeder schnell auf das Schiff will (weiß der Kuckuck warum) gibt es das beschriebene Chaos. Wir standen, fertig eingeparkt und mit Tüten, Decken und Trinkbarem auf dem Oberdeck, als wir in dem Durcheinander den Landrover von Jürgen entdeckte. Er hat es geschafft – obwohl er auf dem Parkplatz direkt neben uns stand- als letztes, ja allerletztes Fahrzeug ins Schiff zu kommen. Unser Jürgen!

Die Tour:

Nun standen wir mit allen 4 Räder in Afrika. 22 Personen, die 21 Tage lange auf engstem Raum zusammen und aufeinander angewiesen waren, denn wir hatten zwar eine Route besprochen, aber keinen Gruppenführer und keinen Guide bestimmt. Ein risikoreicher Versuch, der uns viele Diskussionen beschert t, aber nicht zum Streit geführt hat. Wir sind nach wie vor Freunde – und das ist nicht selbstverständlich.

Erste Übernachtung in Afrika: Das Hotel Le SultanUnser erstes Ziel war Hammamet. Dort im Hotel Sultan wollten wir noch einmal duschen, uns den Bauch voll schlagen und die erste Wasserpfeife rauchen.

Der schnellste Weg ist unser. Er geht über die Autobahn. Für die Autobahnbenutzung zahlt man Gebühren. Tunesische Dinar hatten wir nicht. Es ist toll, wenn 11 Autos an der Zahlstation stehen und nicht zahlen können. Stefan hatte nichts gesagt. Er ist ein stiller, aber cleverer Mensch. Er hatte sich Devisen besorgt und wissentlich, dass dies verboten ist, eingeführt. Nun gestand er uns, dass er der Retter sein könnte - und so stellte er sich ans Kassenhäuschen und hat für jeden einzelnen von uns bezahlt. Toll.

Ich hatte bereits bei der Buchung des Hotels einen Dromedar Ausritt geordert. Zur Erklärung: Ein Kamel ist weiblich und hat 2 Höcker – wie der weibliche Busen halt. In Afrika gibt es aber nur Dromedare.

Orient Feeling: Das National Gericht Cous Cous und anschließend eine Wasserpfeife22 Tiere konnte das Hotel aber nun beim besten Willen nicht auftreiben. So haben sie uns dann noch ein paar ausgemergelte Pferde und 2 Kutschen besorgt. Eine illustre Gesellschaft, die da unterwegs war. Über die Verdauungsprobleme der Dromedare und ihren überaus ekeligen Maulgeruch reden wir heute noch. Es war das erste Erlebnis der etwas anderen Art bei dieser Tour. Das Buffet im Hotel war hervorragend. Tunesisch-französische Küche. Mit vollem Bauch schleppten wir uns in die Bar, tranken einen Tee a la Menthe und rauschten eine Schischar. Orient Feeling kam auf.

Die erste Camp Übernachtung in Tozeur unter Palmen Nun ging es Richtung Süden. Wir erreichten Tousseur und haben auf einem kleinen Campingplatz unter Palmen Quartier gemacht. Bedenkt man, dass es Anfang April ist und in Deutschland Schmuddelwetter ist, so wissen wir, wie gut es uns hier doch geht.

Oben auf dem Landy ist es sicher und romantischUnser nächstes Ziel war die Seldja Schlucht, in der Teile des Films zum „Der Englische Patient“ gedreht wurde. Es gibt in Tunesien viele Orte, die als Filmkulisse dienen. Mit einem historischen Zug durchfuhren wir durch diese sehenswerte Schlucht. 2 mal stoppte der Zug zur Pause. Und dann waren Boris und Ingo plötzlich verschwunden. Einfach nicht auffindbar. Wir machten uns echte Sorgen. Doch dann hörten wir ihr unverkennbares Lachen. Sie hatten sich beim Lokführer eingeschleimt und fuhren vorn in der Lokomotive. Ihr größtes Erlebnis: Sie durften zig Mal die Signalsirene ziehen.

Im weiten Bogen erreichten wir nahe der algerischen Grenze das Städtchen Tamerza, besichtigten den Wasserfall und wanderten dann noch durch das unendliche Labyrinth von Schluchten. Am Abend kehrten wir zu unserem Campingplatz unter Palmen zurück. Zu Fuß eroberten wir am Abend die Altstadt und kauften ein. Was dem einen Freude macht, führt bei dem nächsten zum Verdruss.

Ich meine das Verhandeln und feilschen um den Preis. Herrgott, ich will diesen Schal kaufen. Einfach nur kaufen. Aber nein, der Verkäufer fängt die Verhandlung an. Letztlich haben wir uns nach 20 Minuten auf den Mittelwert zwischen seinem und meinem Preisvorschlag verständigt. Warum nicht sofort. Gabi gehörte zu der Gruppe der Verhandlungs-Freund-Genießer. Wir Männer waren mit dem Einkaufsbummel durch und saßen gemütlich im Straßencafe während sich Gabi dem Einkaufsrausch ergab. Zugegeben, sie hat alles recht günstig erstanden, aber es dauerte leider auch seine Zeit.

Glücklich, dieses kleine Problem gelöst zu haben ging es in die „kleine“ Sahara. Dort liegt mitten im Nichts die Filmkulisse von Star Wars. Mit Vergnügen fuhr wir die ersten Dünen hinauf und mit leichtem Zittern in den Schenkeln auch wieder runter. Macht echt Laune. Und dann holte Ingo sein Snowbord heraus. Echt durchgeknallt. Mit Stiefel und Brett glitt er Düne hinunter. Aber ist man unten, so muss man ja auch wieder herauf. Und das ist dann doch etwas schweißtreibend. Er hat sein Snowbord nie wieder ausgepackt.

Übernachtung direkt in der Filmkulisse von Star Wars

Essen kochen unter freiem Himmel - Manchmal mit Sand gewürzt.Inmitten der Kulisse haben wir unser Abendessen zubereitet und genächtigt. Vom Chef der Star Wars Mafia, das ist das Oberhaupt der Händler Clique haben wir uns die Genehmigung zur Übernachtung erkauft. Einzige Voraussetzung für unsere Obolus-Zahlung war – die Händler sollten uns bis zum anderen Morgen in Frieden lassen. Mehr oder weniger hat das auch gut geklappt. Hier und da noch eine Zigarette und ein Bier als Backschis und wir konnten relativ genüsslich unser Abend-Mahl zubereiten. Relativ. Wäre da nicht der Sandsturm aufgekommen. Nun ja, eine Wüstensandsturm war das nicht. Aber doch ein starker Wind, der unseren Eintopf ein wenig eindickte. Nicht unbedingt der Knaller. Kartoffel-Sand-Suppe. Es knirschte etwas in den Zähnen. Sonst war er okay. Zum Schluss zogen wir uns in die Pappmaschee Attrappen der Filmkulisse zurück, sonst hätte es uns auch noch das Bier versandet. Am nächsten Morgen waren die Händler schon wieder da. Ach was sag ich. Eigentlich waren sie überhaupt nicht weg. Bei 22 Personen gibt es immer ein Geschäft. Da macht man nicht Feierabend und geht nach Hause.

Plaudern ohne SprachbarrierenWenn man nicht gerade die deutsche Ausländerfeindlichkeit an den Tag legt, dann setzt man sich auch schon mal mit den einheimischen in den Sand und plaudert, soweit das durch Sprachbarrieren möglich ist. Diese Händler sind wirklich arm. Sie fertigen die Halsketten, Armreifen und all das andere in Heimarbeit an. Und dann warten sie auf die Touristen Saison. Für uns waren es eigentlich nur Pfennige, was wir für den Schmuck bezahlten. Für sie war es aber ein guter Tag. Und für einen Kugelschreiber als Geschenk bekamen wir eine Sandrose. Eigentlich haben wir das bessere Geschäft dabei gemacht. Oder?

Nun machten wir uns auf den Weg durch das berühmte El Schott, einem gefährlichen Salzsee. Zumindest dann, wenn man versucht, außerhalb des Dammes zu fahren.

Vorbei an den versteinerten Dünen fuhren wir über den Damm. Die Kruste war noch ein wenig gelblich. Ein Zeichen, dass noch viel Feuchtigkeit vorhanden war. Ab Mai ist die Kruste dann schneeweiß.

Jeden Donnerstag ist in Douz großer Markt. Letzte Möglichkeit zum Einkauf vor der SaharaWir erreichten Douz. Den Ausgangsort in die echte Wüste. Auf einem absolut leeren Campingplatz (es war ein Geheimtipp aus zuverlässiger Quelle) schlugen wir unser Zigeunerlager auf. Jetzt mussten wir nur noch Brot und jede Menge Wasser kaufen. Das erledigt man am besten in der Altstadt. Als erstes Fahrzeug fuhr ich hinein – in die Altstadt - Wusste allerdings nicht, dass Markttag war. Wenden ging nicht. Also sind 11 Geländewagen ganz langsam an der Absperrung vorbei über den Marktplatz gefahren. Und hier bewegen sich einige Hundert Menschen mehr über den Markt als bei uns, denn hier werden auch Ziegen, Schafe und Esel verkauft. Auf Tuchfühlung schoben wir uns weiter und weiter. Kein Einheimischer hat mit Steinen geworfen, gedroht oder uns beschimpft.

Den Wagen und die Reserve Kanister auftanken und dann ab in die Sahara. Gesagt getan. Wir mussten nun nur noch die Hauptstraße als Linksabbieger verlassen. Mit der Fahrzeugkolonne nicht einfach. Und dann kam ein Polizist, stoppte den Verkehr und ließ uns abbiegen. Wer hätte so etwas gedacht. So, oder so ähnlich haben wir es noch mehrere Mal erlebt. Als ich – wieder Mal als erstes Fahrzeug in eine Stadt hineinfuhr zeigt mein Tacho wohl noch 85 km/h an. Und auch in Tunesien muss man Innerorts 50 fahren. Die Polizisten am Straßenrand sahen uns, nahmen ihr Radarpistole runter und ließen uns fahren. Die Entscheidung für Tunesien war richtig.

Die Sahara empfängt uns mit SandsturmEndlich ging es los. Sahara wir sind da. Wind von vorn. Wind von der Seite. Nach 30 minütiger Fahrt konnte ich keine 50 Meter mehr sehen. Die Silhouette meines Vordermannes verschwand im Sandsturm. Die Entscheidung war schnell getroffen.

Am Campingplatz - VOR der grossen ScherungAbbruch und zurück zum Campingplatz. Hier waren wir durch die Häuser und Bäume gut geschützt. Aber was macht man mit so einem freien Nachmittag. Da der Sand uns in den Haaren hing machte Elke den Vorschlag, uns den Kopf zu scheren. Blöde Idee. Und dann gab es eine Warteschleife vor dem „Salon Elke“, den sie mittels Campinghocker unter Palmen eröffnet hatte. 2-3 cm Haarbestand hat sie gelassen.

Irgendwie sahen wir mit den kurzen Haaren alle ein wenig merkwürdig aus. Da wir aber –fast- alle kurze Haare hatten, wurde der Anblick zum Kollektiv Leiden. Bis zum heutigen Tage haben meine Haare nie mehr die alte Länge von damals erreicht.

Am Nächsten Morgen hatte sich der Sturm gelegt und wir fuhr los. Erst folgten wir dem Lauf der Piste, denn wir wollten in dem berühmten Dessert Cafe noch einen Tee trinken. Man stelle sich vor, so weit das Auge reicht, nur Sand. Und plötzlich eine Palmenhütte. Wild zusammen geschustert. So dürfte man in Deutschland nicht mal eine Hundhütte aufbauen.

Dann ging es weiter. Wenn wir zunächst noch sparsam Pflanzen im Sand sahen, so wurde sie immer weniger, bis wir nur noch feinsten Sand sahen.

Gemeinsame Essenstafel im Sahara CampUnser Nachtquartier war schnell gefunden. Da sich hier weit und breit kein Mensch aufhält, parkten wir einfach dort wo wir hielten. Dachzelt aufgeklappt, Stühle und Tische raus und erst einmal die absolute Stille genießen. Es soll Stadtmenschen gegeben haben, die nachts laut gerufen oder geschrieen haben, nur um irgend etwas zu hören. Hier draußen herrscht im wahrsten Sinne des Wortes eine Totenstille.

Durch mein Zeltfenster blinzelte mich ein Sonnenstrahl an. Und in Deutschland ist immer noch Aprilwetter. Rein in die Stiefel und die Hühnerleiter runter. So ein Tag!

Das muss man erleben. Erklären könnte das nur ein Schriftsteller. Und ich bin allerhöchsten ein Erzähler.

Also erzähle ich, wie ich nach dem Morgen-Kaffee und der ersten Zigarette ein menschliche Bedürfnis spürte. Während einige Menschen auf Reisen Probleme mit dem Stuhlgang haben kann ich mich nach Kaffee und Zigarette gut entleeren.

Wie komme ich zu einem gespannten Bergegurt? - Steckenbleiben!Auch hier gibt es große Unterschiede in der Technik. Boris macht es am liebsten auf einem gespannten Bergegurt. Andere können es in der Hocke und wieder andere müssen irgendwie sitzen. Für diese Gruppe haben wir ein Mobilklo entworfen und gebaut. Es ist eine geschliffene Aluplatte mit einem ausreichend großen Loch. Diese Platte klemmt man auf einen Camping-Klappstuhl, bei dem man die Sitzpolsterung entfernt hat. Da wir solcher mobilen Klappklos nur 2 Stück hatten, gab es insbesondere am Morgen einen gewissen Andrang. Geht wohl anderen auch so wie mir mit dem morgendlichen Kaffee. Aber vielleicht liegt es auch einfach nur am normalen Organismus des menschlichen Körpers, wenn er nach Stunden der Ruhe in Bewegung kommt. Sei es drum. Ich gehöre zu der Gruppe Toilettengänger, die es auch in der Hocke können, so dass der Andrang nach den Klostuhl für mich uninteressant blieb. Um ein ruhiges Plätzchen zu finden geht man einfach hinter eine Düne, bei der noch keine Fußspuren sind. Gesagt getan. Dann kam Elke (unsere Friseuse) in einer Entfernung von 5 Metern zu mir über die Düne. Auch sie hatte geschaut, wo Spuren sind. Aber so eine Düne hat nun mal auch mehrere Seiten.

So kam sie also in Sicht und Hörweite über die Düne, erblickte mich in embryonal-pathologischer Stellung, sagte fröhlich „Guten Morgen Claus“ und zog mit ihrem Kackstuhl weiter. Ja, so ist das.

Herrlich diese Sandfahrten. Man fährt in der Untersetzung im 2ten Gang und lässt die Räder drehen. Nur kein Schwung verlieren. So geht es hinauf auf die Dünenkämme und auf der anderen Seite wieder hinunter. Ein Heiden Spaß. Allerdings geht es nicht immer so toll.

Man muss nämlich eigentlich einen Dünenkamm zuerst zu Fuß abgehen, um zu schauen, wie sich der Kamm auf der anderen Seite gibt. Da das für einen Offroader bedeutet, die Hälfte der Strecke zu Fuß zurück zu legen... und dann immer die Dünen rauf, haben wir eine andere Technik zugrunde gelegt. Mit Schwung hinauf und dann abrupt abbremsen. So, dass man mit kurzem Gasstoß nach vorn weiter fahren kann, wenn es die Düne erlaubt, oder mittels Rückwärtsgang wieder zurück. Ist die Kuppe zu spitz, sitzt man aber ganz schnell auf. Dann ist Bergehilfe angesagt.

Die erste BergeaktionIm tiefen Sand kann das jedem – mitunter mehrmals am Tag passieren. Und so gibt es dann die Regelung, dass man für jede Bergehilfe 1 Bier spendiert. Und nun übertreibe ich das erste Mal in diesem Bericht. An diesem Tag haben wir – und das ist real – ganze 13,5 Kilometer geschafft, weil wir immer wieder Bergen mussten.

Die Wüste lebt, das konnten wir jeden Morgen erleben. Die verschiedensten Spuren von Kriechtieren zeugten von den Aktivitäten in der Nacht. Wenn wir mit unserer Karawane ankommen und Quartier machen, gibt es keine Risiken bezüglich

Sandviper und Skorpione, denn sie verziehen sich bei so viel Unruhe. Wer aber in der Nacht mal sein Zelt verlassen muss, sollte trotz extrem gefüllter Blase erst an feste Schuhe denken und sie auch anziehen.

Lagebesprechung im Sahara CampUnd dann war es endlich soweit. Bobo hatte Geburtstag. In kurzen Hosen, zum Teil im Schlafzeug haben wir sie mit dem berühmtern Lied „Happy Birthday“ geweckt. Zum Glück vergaßen alle, auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Das war ein Anblick. Völlig verschlafen lugte sie aus ihrem Dachzelt hervor als wollte sie sagen. „Habt ihr `ne Macke, mich mitten in der Nacht zu wecken“ so ungefähr war jedenfalls der Gesichtsausdruck. Aber dann hat sie doch noch gelächelt. Man stelle sich vor, 20 Personen, keine Socken aber hohe Stiefel, ungeschminkt stehen mitten in der Sahara im Halbkreis und singen.

Nach dem Frühstück sollte es die gewünschte Geburtstags Rote Grütze mit Sahne geben. Mit frisch geschlagener Sahne, versteht sich. Dafür haben wir extra den mechanischen Rührquirl aus Omas Küchenschublade mit genommen. Doch ach. Die Sahne war bereits leicht verbuttert. Die Stimmen einiger Herren höre ich heute noch im Ohr.

„Was ist das denn für Sahne. Will nicht steif werden? Ist wohl impotent." Wir hatten dennoch sehr viel Spaß und das ist ja die Hauptsache. Am Abend gab es dann einen ausgiebigen Umtrunk mit viel Humor, künstlerischen Vorträgen, Show-Einlagen und ähnlichem. Zu vorgerückter Stunde haben wir dann zu Ehren vom Geburtstagskind Salut geschossen.

Reifenwechsel im SandNach Kaffee und Aspirin setzten wir die Tour fort. Noch lag eine größere Sanddüne vor uns, die wir überfahren wollten. Noch einige Male mussten wir die Bergegurte und Seilwinden anspannen. Eine Sekunde unaufmerksam, und schon kann etwas passieren. Man kann über das Reserverad auf der Motorhaube streiten. Im Falle einer Panne ist es bei so einer Tour gut, 2 Reserveräder dabei zu haben. Eine Sichtbehinderung ist es aber allemal. Um nicht fest zu fahren, muss man auf dem Gaspedal bleiben. Auf die Kuppe, schauen wo es weiter geht und dann bereits bei der Abfahrt wieder beschleunigen, damit die nächste Düne erklommen werden kann. Stehen bleiben ist das Aus. Also donnert man ganz schön flott durch die Wüste. Das ist zum Teil Adrenalin pur. Der nächste Stop kann erst im nächsten Dünen Tal sein, wenn man gut anhalten und parken kann. Bis dahin herrscht Anspannung. Die vor mir fahrenden Wagen sind nur 200 Meter vor mir, aber ich sehe sie nicht mehr. Doch da. – Schon wieder weg. Die Dünen schlucken die Autos. Ohne CB-Funkgerät würde man doch schnell mal in Panik geraten. Vor allem dann, wenn der Sand die Spur der vorangefahrenen Wagens innerhalb 1 Minuten verweht. Du kommst über einen Dünen Kamm und Du kannst nicht mehr erkennen, ob die anderen links oder rechts gefahren sind.

Das wachsame Auge des Beifahrers ist hier jede Sekunde gefordert.

Ein Mal nicht zu lange oder nicht genau gekuckt und schon driftet das Auto ab. Auch mir ist das passiert.

Die Spur leicht verfehlt, in der Schrecksekunde kurz vom Gas und dann stand das Auto seitwärts an der Dünenkante. Es war noch keine absolute Kippgefahr, aber ein komisches Gefühl ist das schon. Jetzt bloß nicht machen und über Funk Hilfe heran holen. Ein Nissan waren sofort zur Stelle. Er positioniert sich richtig und dann schlug ich meine seilwinde bei ihm an. Zentimeter um Zentimeter zog mich die Winde vorwärts, wobei das Heck in den Hang gedrückt wurde. Zumindest war die Kippgefahr nun vorüber. Mit mäßig Gas und an der Wind hängend wurde ich aus dem Dünen Tal gezogen. Nach dieser Aktion gab es eine Männerumarmung und ein Danke. Nun musste nur noch der Nissan wenden. Und schwups, geriet er in meine Spur und landete direkt an der Stelle, aus der er mich zuvor befreit hatte. Nur noch etwas schräger. Das ganze noch ein Mal. Nur jetzt mussten wir ihn noch zusätzlich mit einem Gurt, den wir durch den Fensterrahmen gezogen haben sichern. 6 Frauen standen im Sand und zogen an dem Gurt. Ob sie das Auto gehalten hätten ist eine ganz andere Frage. Die moralische Unterstützung war es wert. Jetzt arbeiteten wir alle an dem Problem und haben den Wagen mit etwas Schweiß wieder nach oben gebracht. „Ihr müsst trinken, ganz viel trinken“ rief Martina. Und da hatte sie recht.

Der Scout leistet Bergehilfe mit der Seilwinde

Wenn man so schwitzt, ist ein Liter Wasser nicht viel. Wir haben unsere Ration auf 5 Liter pro Person festgelegt. Zwar waren wir nur 4 volle Tage richtig im Sand, berechnet haben wir aber 5 Tage. D.h. 5 Tage mal 5 Liter = 25 Liter pro Person. Dazu gab es die Auflage, dass jedes Auto noch einmal 20 Liter konserviertes Wasser im Kanister dabei hat. Pro Fahrzeug hatten wir einen Wasservorrat von 70 Litern und dazu noch mind. 5 Liter an Bier. Zur Not hätten wir Männer dann auch mal auf Wasser verzichtet. Kurzum, wir waren diesbezüglich gut versorgt und hätten im Extremfall einige Tage länger ohne Probleme in der Sahara verbringen können.

Ich weiß nicht genau ob „schade“ oder „zum Glück“ überwogen hat, als der Sand wieder mit spärlichem Grün versetzt war und dann in eine versandete Holperpiste überging.

Es soll mir niemand etwas anderes erzählen. Wenn man 2-3 Tage nur Sand sieht, auf eine Düne klettert und nur Sand sieht. Morgens im Sand los fährt und abends im selben Sand Rast macht.... kommt einem schon mal das komisches Gefühl auf. „Kommen wir hier je wieder raus?“

Der reduzierte Reifendruck wurde wieder erhöht. 11 Kompressorpumpen haben fast ½ Stunde gerattert und sind warm gelaufen. Mussten wir doch an 4 Räder ca. 1 bar Luft hinein pumpen.

Dann, spät im Dunklen sahen wir die Lichter der Oase Kasar Gillane vor uns. Eine kleine Runde durch das Oasendorf reichte zu der Erkenntnis, jetzt bloß keinen Campingplatz. Irgendwie wollten wir noch nicht wieder auf Menschen stoßen. Folglich zogen wir uns in einen kleinen Wüstenhain zurück. Ich glaube an diesem Abend haben wir das Abendessen in flüssiger Form zu uns genommen und sind dann, nachdem wir noch eine lästige Wüsten Springmaus verscheucht hatten in die Koje gegangen. In der Nacht machte sich unbemerkt ein Lüftchen auf. Ein leichter Wind nur. Erreichte aber, den Sand kreisen zu lassen. Am anderen Morgen waren Dünen aufgetürmt, wo abends noch keine waren und unsere Autos hatten sich förmlich eingegraben. Im besonderen Fall kann es sogar passieren, dass ein Auto umkippt, wenn der Sand einseitig wegweht wird.

Die palmengesäumte Zufahrt zur Wüstenoase Ksar Ghillane

Der nächste Tag empfing uns wieder mit Sonne. Wir fuhren ins Zentrum der Oase, parkten die Fahrzeuge und gingen dann zu der warmen Quelle. Der Tag war noch nicht zu heiß, sodass wir die Wärme des Wassers genossen.

Gegen Mittag verließen wir Ksar Gillane in Richtung Chinini in den Bergen. Bevor wir aber dort hin kamen, mussten wir über Stunden auf einer Waschbrettpiste fahren. Alles im Auto vibrierte. Auch wir wurden durchgeschüttelt. Es gibt nur eine Lösung dafür, von der ich aber absolut abraten muss. „Das Tempo erhöhen“. Bei schneller Fahr ist die Vibration erträglich, doch das Unfallrisiko ist um das 100fache größer, weil die Räder kaum noch Bodenhaftung haben. Ein Stein oder eine Lenkbewegung reicht, um das Auto außer Kontrolle geraten zu lassen. Ein Überschlag mit 80 km/h ist kein Kindergeburtstag. Wir haben einen Land Rover gesehen, der auf einer solchen Piste einem Dromedar ausweichen wollte. Er war stark lädiert und sein Auto Kernschrott. So fuhren wir brav im Schnitt mit 40 km/h weiter und waren erleichtert, endlich wieder Asphalt unter den Wheels zu haben.

Einmal Sahara – Immer Sahara.



Claus


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