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An den Victoriafällen
08.01.2005 - 15:53

Klaus Buskohl

"Drei Wochen wollten wir durch Namibia und Botswana auf Tour gehen." - Was Klaus Buskohl erlebt hat und auf seiner Website schildert, ist eine aufregende Reise durch den afrikanischen Busch, eine faszinierende Tierwelt, unvergleichliche Naturschauspiele und vielleicht eines der letzten "Abenteuer" in Afrika. Hier eine Leseprobe mit seinem Bericht von den Victoria Falls:

... Wir folgen der Straße Richtung Osten und erreichten nach ein paar Kilometern die Grenze. Wir waren gespannt darauf, was uns erwartete. Nach den Mitteilungen, die wir in Namibia und Botswana eingezogen hatten, war der Besuch des Landes, wenn man sich auf die Victoria Fälle beschränkte, mit entsprechender Vorsicht „unbedenklich“. Wir rechneten nicht damit, dass wir in „brenzlige“ Situationen geraten würden, mußten jedoch auf alles „vorbereitet“ sein. Der letzte, noch verbliebene Tourismus ist für das Land und die Leute in der Region überaus wichtig und wir hofften, dass man sich an den Spruch „beiße nie die Hand, die dich füttert“ hälten würde, zumal der Tourismus hier ein sehr einträgliches Geschäft ist, an dem nicht nur wenige Multinationale Konzerne verdienen.

Von „Krise“ war an der Grenze noch nichts zu spüren. Robert Mugabe, der „Staatspräsident“, hat das Land in ein Chaos gestürzt. Nach den Berichten steht das Land „kurz vor dem Abgrund“, insbesondere auch was die Versorgung der Bevölkerung betrifft.
Der Grenzübergang war unkompliziert, die Beamten „wickelten“ uns für 30 US-Dollar Visumgebühr freundlich ab. Die Schranke zur Durchfahrt war noch geschlossen, da wurden wir von jemandem aufgefordert, ihm zu folgen. Er trug keine Uniform, was bei den Grenzbeamten allerdings nicht üblich war. Er führte uns in ein kleines Büro und fragte nach unserem Versicherungsschein. Einen gesonderten Versicherungsschein hatten wir allerdings nicht und er präsentierte uns eine Preisliste mit Sonderversicherungen für Zimbabwe. Aha, daher wehte also der Wind. Einer der „Abzockversuche“, denen man als Individualtourist irgendwann garantiert ausgesetzt ist. Wir lehnten sein Angebot dankend ab und kehrten ohne uns weiter um seine Rufe zu kümmern zu unserem Wagen zurück. Siehe da, der Grenzposten, der vorhin noch durch Abwesenheit glänzte, war nun auch da (welch Zufall!) und öffnete die Schranke. Wir fuhren hindurch und machten uns auf, Richtung Victoria Fälle.

Das Wetter wurde zusehends schlechter. Von Südosten rückte eine dunkle Regenfront heran. Nach rd. 80 Km erreichten wir Vic Falls. Wir hielten an, damit wir zunächst einmal Geld wechseln konnten. Kaum dass der Wagen stand, wurden wir auch schon von einem halben Duzend einheimischer Männer umringt, die uns ihre „Dienstleistungen“ (Geld schwarz wechseln, Vermittlung von Raftingtouren, etc.) vermitteln wollten. Wir lehnten dankend ab, was die Jungs allerdings überhaupt nicht störte. Sie redeten weiter unablässig auf uns ein. Wir beschlossen, dass einer am Wagen zurück blieb und die anderen 2 erst mal lostigerten. Wir machten uns auf den Weg eine Bank zu suchen, die Einheimischen hatten wir dabei dauernd um uns herum und sie schwatzten weiter auf uns ein. Auch trotzdem wir kein Wort mehr an sie verloren, hartnäckig umringten sie uns noch beim Laufen und hörten nicht auf uns irgendwas verkaufen oder anbieten zu wollen.

Die Kurse zum Schwarztausch von Geld wurden dabei immer höher. An der Grenze mußten wir für das Fahrzeug 300 Zim-Dollar oder 8 US-Dollar bezahlen. Das war zumindest schon mal eine Richtgröße (dachten wir in dem Moment noch). Die Jungs boten uns mittlerweile allerdings schon 600 – 700 Zim-Dollar für einen US-Dollar, fünf Minuten später schon 1.000 – 1.100 Zim-Dollar an. In der Bank trauten wir dann unseren Augen nicht mehr: für einen US-Dollar sollte es nur 50 Zim-Dollar geben. Irgend etwas war hier oberfaul. Wir beschlossen zum Wagen zurück zu kehren, um abseits des Trubels erst mal zu beratschlagen. Wir überlegten, was wir am besten tun könnten und einigten uns, dass wir zunächst kein Geld wechseln wollten. Wir hatten noch ausreichend US-Dollar in bar und da scheinbar alle so wild auf US-Geld waren, gingen wir davon aus, dass wir den Campingplatz und sonstige Ausgaben auch mit US-Dollar bezahlen könnten.

Wir fuhren also zum Campingplatz und, kein Problem, sie nahmen pro Nase 5 Dollar für die Übernachtung. Eigentlich recht teuer, allerdings, auf dem Platz waren bereits jetzt (noch bei Tageslicht) eine Reihe von „Schutzmännern“ auszumachen. Der Platz war rings herum mit einem Starkstromzaun gesichert. Wir nahmen dies zum einen mit Beruhigung zur Kenntnis (schien ziemlich sicher zu sein), auf der anderen Seite war uns klar, dass diese Sicherungsmaßnahmen nicht getroffen würden, wenn es nicht notwendig wäre ...

Nach einem kleinen "Kriegsrat" fuhren wir zu den Wasserfällen, die sich gut 1 Kilometer außerhalb der Stadt befinden. Gegenüber des Eingangs befindet sich ein Parkplatz. Kaum angekommen stürzte sich wieder ein halbes Duzend Leute auf uns und wollte uns wieder etwas verkaufen: Souvenirs, Raftingtouren, Hotelzimmer, etc. . Einem uniformierten Parkwächter beauftragten wir, auf unser Auto aufzupassen, was er in Erwartung eines Trinkgeldes auch gerne für uns tun wollte.

Am Eingang zu den Fällen die nächste kleine Überraschung: die Eintrittspreise waren inzwischen erhöht worden. Für eine Person waren nunmehr 20 US-Dollar zu zahlen. Da die Fälle jedoch einzigartig sind und wir deswegen ja extra die knapp 100 Kilometer gefahren sind, zücken wir zähneknirschend das Geld heraus und zahlten.

Die Tour beginnt am linken Rand der Fälle beim Livinstone-Denkmal. Es war zwar wolkenverhangen und nicht gerade strahlendes Sommerwetter, dennoch waren die Fälle und das Getöse des herabstürzenden Wassers wieder beeindruckend.

Wir steuerten die nächsten Aussichtsplattformen an und genoßen den Anblick, der sich uns bot: riesige Wassermengen, die sich tosend die Fälle hinabstürzten und eine Gischt dabei aufwarfen, so dass man an einigen Stellen die Kameras schnell unter dem T-Shirt vor der Näße schützen mußte.

Auf dem weiteren Weg zum anderen Ende der Fälle blieben wir dann allerdings auf einmal verwundert stehen: was war das? Bereits im mittleren Bereich der Fälle gab es schon kein Wasser mehr, das sich herabstürzen konnte. Auf der halben Länge der Wasserfälle war „tote Hose“. Der Blick traf nur die Steilwand, über die sich sonst das Wasser ergoß. Ziemliche Pleite, da es genau auch den Abschnitt betraf, der besonders schön und fotogen ist. Insbesondere die Stelle, in der das Wasser durch das Durchbruchstal in den Canyon fließt und in dem sonst ein permanenter Regenbogen zu sehen ist, war „knochentrocken“.

Ziemliche Enttäuschung! Ganz schön sprachlos kletterten wir noch am Steilhang entlang und schauten uns das „Maleur“ an. Kurz darauf fing es auch wieder zu regnen an, erst leicht, dann immer fester. Wir beschlossen zum Wagen zurückzukehren, da es ja sowieso nichts „aufregendes“ zu sehen gab. Nach einem Fussmarsch von gut einem halben Kilometer kamen wir völlig durchnäßt am Eingangsbereich wieder an. Noch kurz einen Blick auf die Ausstellung von alten Zeichnungen und Fotografien geworfen, dann ging es zum Wagen. Er stand noch so da, wie wir ihn verlassen hatten. Dem Parkwächter gaben wir einen US-Dollar, Zim-Dollar hatten wir ja nicht. Fröhlich guckte er uns an und mirt schien es, als hätten wir ihm einen ganzen Wochenlohn als Trinkgeld gegeben.

Wir verließen am nächsten Morgen das Land auf der gleichen Strecke, auf der wir gekommen waren. Die Maschine schnurrte vor sich hin. Ab und zu hatte man dem Motorgeräusch „kritisch“ gelauscht. Bloß keine Autopanne in diesem Land, dachten wir uns. Nicht auszudenken, welche Probleme wir gehabt hätten, wenn jetzt ein notwendiges Teil ausgefallen oder kaputt gegangen wäre und Ersatz beschafft werden müßte. Aber der Toyota verrichtete wie schon den ganzen Trip über zuverlässig seinen Dienst und brachte uns nach gut einer Stunde Fahrtzeit wieder zur botswanischen Grenze....

Abenteuer Afrika von Klaus Buskohl

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KlausB


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