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Westaustralien: 10.000km durch den roten Kontinent
06.01.2005 - 18:45

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Rundreise mit einem gemieteten Landcruiser durch Westaustralien. 10'000 Kilometer durch den roten Kontinent. Reiseroute: Perth - Westcoast - Hamersley Range - Kimberley - Bungle Bungle - Tanami Desert - Ayers Rock - Warburton Road - Perth.

... Durch karge Farm- und Küstenregionen fahren wir weiter nach Norden. Ein heftiger Sturm tobt über das ausgetrocknete Land, doch zeigt sich am Himmel nicht die kleinste Spur einer Wolke. Von Horizont zu Horizont blinkt und blitzt das Firmament in Neon blau. Nach einem kurzen Einkauf in Jurien legen wir den 5. Gang ein und lernen, Australien zu erfahren. Die gut 200 Kilometer bis Geraldton (einer "echten" Stadt) sind in 2 Stunden bewältigt. Ausserhalb der Ortschaft ist Verkehr auf der Strasse quasi nicht existent, so dass sich das Autofahren auf den teils schnurgeraden Strassen darauf beschränkt, auf der linken Fahrbahnseite zu bleiben, die Böschung nach Kängurus abzusuchen und die Uhr zu beobachten, wie die Zeit verrinnt. Den Kilometerzähler des Wagens braucht man nicht mehr zu beachten. 100 Kilometer sind einer Stunde.

Hinter Geraldton halten wir erneut auf die Küste zu und suchen den Kalbarri N.P. auf. Leider gibt es in dem Park selbst keine Campingmöglichkeit. So müssen wir auf einen kommerziellen Camping in Red Bluff ausweichen. Wie wir später erfahren, haben einige Nationalparks ihre Campsites mangels Nachfrage geschlossen. Die Australier - Offroad-, Angel- und Naturverrückt wie sie sind - bevorzugen doch lieber den Komfort eines kommerziellen Platzes mit Stromanschluss, fliessend Wasser und Sanitäranlagen. Dass dabei das Erlebnis Natur weitgehend verloren geht, fällt Menschen, die in einer solchen Umgebung, die nur aus Natur pur besteht, gar nicht auf. So sind wir anscheinend die einzigen, die der ununterbrochene Lärm des Kühlaggregats des Campingrestaurants stört.

Der Kalbarri N.P. ist regelrecht zweigeteilt. Neben beeindruckenden Aussichtspunkten an der Steilküste lockt die wilde Schlucht des Murchinson River, der das weiche Gestein des Umlandes tief eingeschnitten hat. An der Steilküste haben wir leider keine echte Freude. Angriffslustig und todesverachtend stürzen sich ganze Heerscharen von Fliegen auf uns. Obwohl wir uns unter unseren Kopfnetzen verschanzen, zerrt das penetrante Gebrumme der Plagegeister und die von der dunklen Leiberwolke eingeschränkte Aussicht an unseren Nerven. Abwehrmassnahmen wie das ungezielte zusammenklatschen der Hände über dem Kopf (Trefferquote 5 bis 10 Brummer) gibt einem zwar die Befriedigung, sich irgendwie gewehrt zu haben. Weniger Fliegen werden es deswegen jedoch nicht. Wir flüchten zurück ins Auto und kämpfen dort noch einige Zeit weiter, bis wir die Lufthoheit zurück erlangt haben.

Klippen im Abendlicht bei Kalbarri

Am Natures Window, einem kleinen Natursteinbogen, der den Einstieg in die Schlucht des Murchinson River markiert, sind die Verhältnisse zum Glück etwas besser. Im Schatten, bei etwas Durchzug können wir sogar die Netze vom Kopf nehmen und die grossartige Natur ohne Maschen vor der Nase geniessen. Zum wandern sind wir dann aber für den Fliegenschutzwall wieder sehr dankbar. Anstatt pausenlos hilflos mit den Armen um den Kopf zu fuchteln, können wir in den Canyon absteigen und etwas am Fluss entlang spazieren. Krokodile gibt es hier keine. Die kommen erst ab Broome im hohen Norden. Dafür fallen uns etliche Papageienarten in den Eukalyptusbäumen auf. Ihr farbiges Gefieder steht in nahezu unwirklichem Kontrast zur weissen, plastikartigen Rinde der Bäume.

Zurück zur Hauptstrasse müssen wir den Wagen wieder 20 Kilometer über bösestes Wellblech treiben. In den australischen Nationalparks wird anscheinend nicht nur die Natur konserviert sondern anscheinend auch der berüchtigt schlechte Zustand der Pisten. Kurz vor der Asphaltstrasse übertönt dann ein metallisch dumpfes knacken all die anderen Surr-, Klirr- und Klappergeräusche des Wagen. "Das hört sich aber gar nicht gut an" kann ich gerade noch zu Joly sagen und merke dann schon ein eigenartiges Pumpen in der Bremse. Auf dem Asphalt (bei geradezu studiohafter Geräuschlosigkeit) können wir das einzig verbliebene Geräusch klar der Hinterachse auf der Beifahrerseite zuordnen.

Kalbarri N.P.

Im Schneckentempe eiern wir zurück nach Kalbarri. In der kleinen Ortschaft telefonieren wir zunächst mit der Autovermietung und lassen uns grünes Licht geben für einen Besuch einer örtlichen Garage. Im Kalbarri Auto Center (einem zwei Mann Betrieb mit sensationell geringem Ordnungssinn) werden wir freundlich empfangen. Glen - einer der beiden Brüder, die die Garage betreiben - setzt den Wagen sofort auf eine Hebebühne und demontiert das Rad. Meine Hoffnung bewahrheitet sich. Der Schaden ist gering. Es hatten sich lediglich beide Haltebolzen der Bremsbacken verabschiedet. Anscheinend war bei der letzten Reparatur (Radlagerwechsel, wie wir bei der Wagenübergabe erfahren hatten) vergessen worden, die Bolzen ordnungsgemäss einzukleben. Auf der Wellblechpiste haben sie sich dann losgerappelt und schliesslich ganz verabschiedet.....

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© 2004 Text/Bilder Ingo Hoffmann bei zebrastreifen.com



Ingo Hoffmann


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