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Die Ligurische Alpen-Grenzkamm- Höhenstraße
10.06.2005 - 22:02

Was macht ein Off Road Fahrer wenn er keinen Geländewagen zur Verfügung hat? Nun, die Antwort ist ganz einfach, er geht zu Fuß.

Nachdem ich in den letzten Jahren schon im Piemont unterwegs war, stand die Ligurische Grenzkammstraße natürlich ganz oben auf meiner Wunschliste. So habe ich mich dazu entschlossen, mir in diesem Jahr diesen Wunsch zu erfüllen. Das Abenteuer der „Alta Via dei Monti Liguri" begann für mich schon bei der Anreise. Gute 20 Stunden Bahnfahrt lagen hinter mir als ich in Limone eintraf. Auf dem guten Campingplatz baute ich mein Zelt für eine Nacht auf.

Am Morgen des 23. Juli begann dann der Aufstieg. Ich ging die SS20 in südliche Richtung bis zum Anfang vom Tunnel de Tende, natürlich ging es nicht durch den Tunnel. Vor dem geht es rechts ab, immer steil nach oben zum Fort Central. Dort angekommen hatte ich 13 km hinter mir und ich war am Ende meiner Kräfte. Mein Nachtlager schlug ich dann für diese Nacht im Fort auf, umgeben von 15 Lada Niva´s aus Frankreich.

Dank dem Lagerfeuer, sowie dem guten Wein meiner neuen französischen Freunde, hatte ich die kalte Nacht gut überstanden. Das Etappenziel für diesem Tag hieß Rif. Barbera, schnell merkte ich das dieses Teilstück sehr anstrengend werden wird. Der Weg ist sehr steinig und besteht hier aus losem Geröll. Nach kurzer Zeit überholten mich dann winkend und hupend meine Niva Freunde. Ein bisschen neidisch auf deren Tempo schaute ich noch lange ihrer Staubwolke nach.

Leider sind hier oben nicht alle so rücksichtsvoll wie die 4 Wheeler. Die italienischen Endurofahrer knattern an einen ohne abbremsen vorbei. Zum ersten Mal musste ich auch erleben wie schnell das Wetter hier oben umschlägt, nach ein paar Kehren stand ich auf einmal im Nebel und es wurde spürbar kühler. Mein Ziel für diesem Tag erreichte ich am Nachmittag nach 18 km. Bei starkem Sturm und Regen baute ich mein Zelt an der Schutzhütte des italienischen Alpenvereins auf.

Wie gefährlich die Monti Liguri immer noch ist musste ich leider an diesem Abend erfahren. Ein schwerer Unfall zweier Endurofahrer mit tödlichem Ausgang stimmt nachdenklich.

Nach einer sehr stürmischen Nacht und einem kleinen Frühstück lag mein Etappenziel in 24 km Entfernung am Passo Tanarello. Der Weg bis dorthin ist sehr schön. Lange ging es durch dichte Kiefernwälder die intensiv duften, vorbei an Ziegenherden. Allerdings sind die zahlreichen Hirtenhunde für einen Wanderer nicht so ungefährlich, ein ruhiges und besonnenes Auftreten ist hier empfohlen. Um 16.00 Uhr war ich fast am Ziel. Zu dem Endpunkt ging es noch ein paar ordentliche Kehren empor. Der Ausblick oben am Ziel entschädigt für so manchen Schweißtropfen, zum einen kann man das ligurische Meer und zum anderen im Tal den Ort La Brigue sehen.

Aus meinem Vorhaben hier mein Zelt auf zu bauen wurde dann aber leider doch nichts, zu viele Schafherden und deren Fäkalien. So startete ich dann um 19.00 Uhr schon die Tour für Morgen. Ich ging noch gute 6 km, bis ungefähr zum Passo di Collardente. Im Schutz der Dunkelheit baute ich dann mein Zelt auf.

Schon ab 06.00 Uhr war ich wieder auf den Beinen und ging bis zum Bassa di Sanson. An der folgenden Kreuzung verließ ich dann die Monti Liguri und mein Weg führte mich in westliche Richtung talwärts. Die Route durch die französischen Wälder in Richtung Col du Pinet, ist einer der Schönsten auf der gesamten Tour. Über Vallon du Pre ging es nach La Brigue. Dort angekommen brauchte ich aber eine längere Pause, 13 km bergab gehen hatte meinen Füßen ganz schön zugesetzt. Der folgende Weg führte mich über S. Dalmas de Tende nach Tende. Dort gibt es einen sehr sauberen und günstigen Campingplatz, den man ohne Bedenken weiter empfehlen kann.

Die nächsten Tage meines Urlaubes blieb ich auf dem Campingplatz und unternahm Tagestouren in die nähere Bergwelt. Mein Abschluss bildeten noch Abstecher nach Nice und Monaco.

Schlusswort:

Die Monti Liguri fasziniert, beeindruckt und zieht einen in ihren Bann. Trotzdem ist sie auch in unserer heutigen Zeit gefährlich und man sollte sie und das Wetter in den Bergen nie unterschätzen. Mir, der sonst mit dem Off Road Fahrzeug unterwegs ist, hat diese Trekking-Tour sehr viele neue Erfahrungen gebracht. Mein größtes Problem war die Wasserversorgung, welche ich im Hochsommer für einfacher gehalten hätte. Ich werde aber bestimmt wiederkehren und die Monti Liguri noch einmal mit dem Fahrzeug befahren.

Information zur Lingurischen Grenzkammstraße findet man beim: GROSSER ALPEN STRASSEN FÜHRER vom Herrn Denzel dessen Buch auch als Vorlage für diese Tour dient.

Diesen und weitere Reiseberichte von Norbert Lehmann finden Sie auf der Homepage www.4Wheelworld.de



norbert


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