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01. Reisebericht: Aufbruch und mit dem Schiff über den Atlantik (von Gerhard Rötzer)
10.11.2003 - 09:00

Nach vielen Jahren in der IT-Industrie habe mit mit dem Geldverdienen aufgehört, nicht mit dem  Arbeiten. Meiner Passion folgend, habe ich mich entschlossen, mit dem Auto um den Globus zu fahren. Die Motive und Schwerpunkte sind in etwa:

-         Unsere Zwänge zurückzulassen und Menschen anderer Gesellschaften und Kulturen kennen zu lernen.

-         In und mit der Natur in den unterschiedlichen Landschaften der Länder zu leben.

-         Toleranz zu üben und Vorurteile abzubauen.

-         die verbleibende Zeit für die eignen Interessen noch zu nutzen.

-         Deutschland  von außen zu betrachten.

 

Aufgrund der politischen Instabilität in Afrika, habe ich mich dazu entschlossen, in Südamerika zu beginnen. Der Weg über Zentralamerika in den Norden ist naheliegend. Vielleicht gelingt dann noch der Sprung nach Neuseeland und Australien. Alles andere liegt in den Sternen.  

Der Toyp wurde von UBEN gebautDie Basis für das ganze Unternehmen ist ein Toyota Landcruiser mit einer Kabine der Fa. UBEN. Um ein derartiges Unternehmen auf den Weg zu bringen braucht es Erfahrung, die ich mir auf vielen Reisen erkämpft habe.

 

Mit dem Frachter nach Südamerika

 

.... 5:00 a.m. im Hafen von Conakry (Guinea, Westafrika), heult die Bordsirene. Piraten haben das Schiff von der Seeseite her über die 20 m hohe Bordwand geentert. Einige Container sind bereits gewaltsam geöffnet. Die Mannschaft vertreibt die Eindringlinge. Eine Übergabe an die Polizei ist ohnehin sinnlos, in 2 Stunden wären sie wieder frei...

 

An alle interessierten Freunde,

 

obiger Vorfall hat sich in der Tat ereignet. Am 10.10 hat die Grande Francia, ein Frachter der Grimaldi Line, Europa verlassen. Geladen waren  2.000 Autos, davon 1.200 gebraucht, Lastwägen, Erdbewegungsmaschinen von Caterpillar und riesige Kisten mit Investitionsgütern von MAN. Auf dem Vordeck des Vorschiffes waren 800 Container gestapelt.

 

Die Route führte überraschender weise über Westafrika. An den Kanaren  vorbei stampft das Schiff mit 18 Knoten direkt nach Dakar, Senegal. 600 zum Teil schrottreife Autos werden unter chaotischen Verhältnissen entladen. Über Conakry, Guinea einem mit Wracks übersäten Hafen und Freetown, Sierra Leone, endet die Westafrikareise in Abidjan, Elfenbeinküste.

 

Kurze Afrikaeindrücke:

-         Heiß und aufregend

-         'Active Selling' a la AfrikaDie Einwohner sind laut, lustig und zugleich beunruhigend. Sie betteln kaum, versuchen durch Verkauf von Uhren, Radios, Kleidung, Früchten... , in einer zum Teil aufdringlicher Form, zu etwas Geld zu kommen.

-         Die Teilung in arm und reich hat sich eher verschärft.

-         Die Korruption ist allgegenwärtig. Die Arbeit auf dem Schiff wird erst nach Übergabe der eingeforderten Geschenke aufgenommen.

-         Afrika dient Europa zur Entsorgung von zum Teil schrottreifer Autos und Maschinen.

-         Das politische Gleichgewicht ist extrem instabil, Monrovia kann nicht angefahren werden. In Freetown sind die Folgen des Bürgerkrieges deutlich sichtbar (kein Strom, kein Wasser, überwiegend Slums). Die UN sorgen mit Menschen  und Material für Friedenssicherung (Bild 3).

-         Landgänge nur bedingt möglich.

-         Ein wunderschönes Land kann wegen politischer Instabilität derzeit nicht bereist werden.

 

Mittlerweile befinden wir uns auf dem 10ten nördlichen Breitengrad. Bei der fünftägigen Überquerung des Atlantischen Ozeans nach Salvador in Brasilien passieren wir den Äquator. Im Gegensatz zur Küstenregion begegnen wir keinen Schiffen, sondern werden von Walen und Delphinen  begleitet. Fregattvögel fangen im Flug fliegende Fische, ein besonders überraschender Anblick.

 

Salvador, als erste Stadt in Brasilien mit 3 Millionen Einwohner, präsentiert sich mit einer Wolkenkratzer-Skyline - vergleichbar mit Manhattan. Alle aus Afrika kommenden Schiffe, so auch wir, werden vom Seuchendepartement über Stunden inspiziert.

 

Der Hafen von Vitoria versteckt sich an einem schmalen Flusslauf hinter Vulkankegeln.

 

Rio de Janeiro hat sich mir in wenigen Stunden als eine Perle, wie man sie aus Filmen und Presse kennt, gezeigt.

 

Endlich, nach vier Wochen, legt die Grande Francia, nach Durchfahren einer 250 Kilometer langen und 300 m breiten Fahrrinne, im Delta des Rio de la Plata im Hafen von Buenos Aires an. Es ist jetzt an der Zeit, an Land zu gehen. Nach den Formalitäten für die Emigration verlassen 6 von 9 Passagieren das vertraut gewordene Schiff.

 

-         Ausmaß: 13 Decks, 215 m lang, 37 m breit, 45 m hoch. Maximales Fassungsvermögen 2.500 Pkws und 1.200 Container, wobei zwei Container einem Waggon der DB entsprechen.

-         Die Navigation erfolgt automatisiert mittels Radar und GPS.

-         Hebezeuge auf dem neuesten, technischen Stand.

-         Maximal können 12 Passagiere an Bord genommen werden. Sie genießen den hohen Standardservice der Küche und haben Zugang zu allen Faciities.

-         Die dreißigköpfige Mannschaft ist klar hierarchisch gegliedert  und besteht aus Italienern und Nordphilippinen.

-         Strategie: Die Grimaldi-Lines bedient unsichere Häfen, die von

                           anderen Linien nicht angefahren werden,

                      benutzt maßgeschneiderte, dem derzeitigen Gütermarkt   

                      entsprechende Schiffe (roll on, roll off, Container)

                      setzt lokale Kräfte zur Be-und Entladung ein,

                      verfügt offensichtlich über ein engmaschiges Agentennetz

-         erstaunlich war die Anzahl großer chinesischer Frachter und Schiffen unter Billigflaggen (Zypern, Liberia und Panama) 

 

 

So, und jetzt wartet der Toyota auf seinen Einsatz!



Gerhard


gedruckt am Heute, 18:52
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